Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/147/
meinschaft der Mächte. Als zu kleiner Staat und ohne Armee wurde Liechtenstein bekanntlich 1920 vom Völkerbund abgewiesen. Anderer- seits war es in einer individualistischen Staatengesellschaft mit wechseln- den bilateralen und anderen Beziehungen relativ unbedenklich, in Ein- zelbereichen zu einem anderen Staat sehr enge völkerrechtliche Bezie- hungen, auch solche nichtparitätischer Art zu pflegen, wenn anderswie die Selbständigkeit gegeben war: Liechtenstein im Zollvertrag mit Öster- reich, dann mit der Schweiz, sonst aber frei in der 
Aussenpolitik. 2.Die multilaterale Zusammenarbeit – die Integrationssituation Die Lage verändert sich, wenn die Staaten beginnen, sich ein neues, eine Art angehobenes internationales Verhältnis zu geben, wenn sie sich auf dem Niveau multilateraler Zusammenarbeit organisieren. Es wird gar kritisch, wenn einem das Mitmachen abgesprochen oder einem ein Sta- tus unter demjenigen eines normalen Staates zugewiesen wird, weil man zu klein ist. So hat Liechtenstein Ende der sechziger Jahre die Mikrostaatende- batte in der UNO mit Sorge verfolgt, als man – entsprechend dem Grossmachtdenken im Völkerbund – für die sehr kleinen Staaten einen Minderstatus ohne Stimmrecht schaffen wollte. Diese Zeiten sind vor- bei. Heute ist die UNO universal und vereinigt in sich mit Ausnahme der Schweiz und dem geteilten Korea alle Staaten der Erde, grosse, kleine und kleinste, 162 Staaten. Die UNO steht auf einer niedrigen Organisationsstufe. Anders ist die Lage, wenn in einer Region alles, was Staat heisst, sich um einen Tisch versammelt und sich zusammenschliesst. Dann wird es für einen sehr kleinen Staat auf die Dauer kritisch, nicht auch mitzumachen und dazu zu gehören. In eine solche Phase ist der europäische Integrations- prozess getreten, in dessen Zentrum wir uns befinden. Wenn alles, was sich Staat nennt, sich auf neuer Plattform vereinigt, sackt der sehr kleine Staat, der dazu nicht fähig oder willens ist, physikalisch notwendig ab aus dieser Staatengesellschaft. Wer nicht mithält, fällt zurück. Mit fort- schreitendem Prozess wird die Lage noch prekärer. Sogar für eine Schweiz wird das Draussenbleiben ungemütlich. Als Staat stünde sie es sicher durch. Wir dagegen sind ganz gefordert, wenn 147 
Vor der EWR-Abstimmung in unserem Land – Liechtenstein am Scheideweg
        

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