Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/132/
gelöst. Wir haben zwar einen ungewöhnlichen Schatz an Kunst, um den uns auch grosse Nationen beneiden. Doch wir haben das grosse Ge- schenk des Fürsten nicht angenommen. Vielleicht braucht es eine neue Generation, wo Vorbehalte durch sichere Regelungen abgebaut werden und die Ausstellung der Galerie in einem liechtensteinischen Kunsthaus ermöglicht 
wird. 4.Realität der Grenze Wir sprachen von der Realität der Grenze. Sie ist Schwäche und kann auch Chance sein. Welcher Kleine sehnt sich nicht, gross zu sein? Die Lust nach allem hält uns auf Trab und greift nur an der Oberfläche. Wir eilen vom Vor- trag zur Vernissage und nachher ins Konzert. Der Drang nach Grösse vertut sich im Massstab. Wir überschätzen uns international. Wir über- fliegen die Dinge in der Nähe. Die Wirklichkeit kommt zu kurz. Nach Landesverweser In der Maur (1890) ist beim Liechtensteiner «ein bedauerlicher Zug von Unaufrichtigkeit wahrzunehmen». Land- vogt Josef Schuppler hielt 1815 den Liechtensteiner gar für «falsch». Dietmar Näscher schreibt 1989, der Liechtensteiner sei «einer, der die Kunst des Ausweichens beherrscht. Er hütet sich vor Festlegung, Aus- und Umwege sind ihm vertraut, Worte sind ihm geläufiger als Taten». In der eben erschienenen Schweizer Zeitschrift 
Dufourvermerkt René Stei- ner: «Liechtenstein ist ein kleines Land, und, positiv ausgedrückt, Rück- sichtnahme auf den nächsten, oder, negativ ausgedrückt, das sorgsame Beachten von Abhängigkeiten prägt die Rede der Einheimischen. Noch mehr als die Schreibe.» Nach Kanonikus Anton Frommelt mussten wir uns immer anpassen. Sollte es tatsächlich sein, dass uns das nahe Zusammenleben unauf- richtig gegeneinander gemacht hat, dass wir keine andere Alternative kennen ausser Höflichkeit oder eben Streit und dass wir anpasserisch sind? Vielleicht hat uns die Nähe so geformt. Schon die Geologie des Landes ist wenig auf Härte aus. An der Grenze zwischen Ost- und West- alpen gelegen, ist unser Land grösstenteils am Westhang der viel weiche- ren Ostalpen angeschmiegt. Der verstorbene Friedrich Ritter hat auf die Zusammenhänge von geologischem Untergrund, Gelände und Volks- charakter aufmerksam gemacht. Die Milde des Klimas, die Weichheit des 132Texte 
aus dem Nachlass von Gerard Batliner
        

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