Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/130/
d)Die Presse Die Presse hat es nicht leicht. Sie sollte als Parteipresse den Gegner be- kämpfen, und sie sollte informieren. Wer die Zeitung zur Hand nimmt, ist nicht sicher, ob er auch wirklich informiert oder bloss einseitig be- einflusst wird. Auch sind die Redaktionsstäbe zu klein – und schon er- streben wir ein Radio. Warum ist ein Radio so attraktiv? Unter anderem weil es in einem einzigen möglichen Medium die Zusammenarbeit aller Medienschaffenden erfordert und so zu vollständigerer Objektivität zwingt. Eine dritte Zeitung hat bei uns einen schweren Stand. Die Schreiber der Freien Liste und des 
Löwenzahn, das sind keine Verwei- gerer. Sie denken mit und leisten viel ideellen Einsatz. Wäre es nicht möglich, dass jede der beiden Zeitungen alternierend jeden Monat un- entgeltlich einer völlig unabhängigen dritten Gruppe die Seiten für eine Beilage öffnet? Viel an zueinander ausgestreckter Medienkultur könnte aus einem solchen Modell entstehen. Die politische Sprache könnte sich vielleicht verändern. Ernst Moritz Arndt schreibt: «Was die Sprache verwirrt und verrückt und auf irgend eine Weise den klaren und lauteren Fluss trübt, das hat auch den Einfluss der Ver- wirrung, Verrückung und Trübung des ganzen Volkes. Denn ein geisti- geres und innigeres Element als die Sprache hat ein Volk nicht.» Und Walter Strolz hält fest: «Die Sorge um den rechten Sprachgebrauch ist eine humane Ver- pflichtung ersten Ranges.» Wir müssten in Liechtenstein gemeinsam so etwas wie eine Charta des öffentlichen Umganges schaffen, der, weiss Gott, Auseinandersetzung und verschiedene Ansicht nicht ausschliessen würde. Ich meine dies für die Politik wie für die Presse. Da wird eine Putzfrau gesucht. Es heisst unter der Überschrift «Büroreinigung»: «Das Stammhaus unserer (Bank-)Gruppe in Vaduz sucht zur Ver- stärkung des Teams in der Abteilung Liegenschaftsverwaltung eine tüch- tige Mitarbeiterin.» In der Wirtschaft mag solche Suggestiv-Sprache angehen, in der Politik bietet sie, generell verwendet, keine Orientierung mehr. Das geht bis zum Bildschnitt, welcher Personen aus dem Bild, aus der Realität 130Texte 
aus dem Nachlass von Gerard Batliner
        

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