Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/13/
chef und von 1974 bis 1982 gehörte er dem Landtag an, von 1974 bis 1978 als dessen Präsident und von 1978 bis 1982 als dessen Vizepräsi- dent. Es verwundert daher nicht, dass er das öffentliche Geschehen auf- merksam mitverfolgte und sich Fragen des Staats- und Verfassungsrechts zuwandte. Die forschende, wissenschaftliche und öffentliche Auseinanderset- zung kann nach seiner Ansicht ein vertieftes Verständnis für die Realität des Kleinstaates, seiner Not wie seines Reichtums, seiner Verbundenheit mit der vielgestaltigen europäischen Kultur und der Zukunft unseres Kontinents und unserer Welt, wie seiner eigenen Rolle, wachsen lassen. Gerard Batliner glaubte an den Sinn des kleinen Staates und daran, dass es sinnvoll ist, die Welt mit den Augen des Nichtmächtigen zu betrachten, des vom Frieden Abhängigen und desjenigen, der auf den Schutz des Rechtes angewiesen ist. Der Kleinstaat sei dank seiner Dimension besonders geeignet, die Einzelperson zur Geltung kommen zu lassen. Das sei ein zutiefst abendländisches Anliegen. So sei der kleine Staat auch ein Element des Friedens. Er sei nicht in der Lage, grosse Ge- walt ausüben zu können, weder nach innen, noch nach aussen. Der Kleinstaat besitze in manchen Dingen eine grössere Freiheit, mutige Handlungen zu setzen, wo grössere Länder verschiedene Interessen ab- wägen müssten. Die prekäre Situation unseres kleinen Landes im europäischen Raum war in seinem Denken stets gegenwärtig. Liechtenstein sei ein Staat in einem sich weiter verflechtenden Europa. Vom Kleinstaat seien daher Umsicht und Klarheit abverlangt: Gerechtigkeit und Zustimmung im Innern, gesunde Institutionen, verantwortliches Wachsein im Ver- hältnis nach aussen. Der Kleinstaat sei eine Art «existenzialistisches Gemeinwesen». Er ist, so sein Appell, «eine politische Nation, eine ge- meinsame Civitas – oder er wird auf Dauer nicht bestehen». Es geht ihm um elementare Fragen der staatlichen Existenz. Kei- nem Staat kann es, wie er verschiedentlich betont hat, gleichgültig sein, welches Ansehen er im Ausland geniesst. Zu vielfältig und stark seien heute die inter- und transnationalen Verbundenheiten, Abhängigkeiten und Einwirkungen rechtlicher, politischer, wirtschaftlicher und kulturel- ler Art. Aus diesem Grund messen die meisten, auch grosse Länder ih- rem Bild im Ausland eine nicht geringe Bedeutung bei. Noch mehr müsse dies für den kleinen, besonders auslandverflochtenen und über wenig Machtmittel verfügenden Staat gelten.13 
Zum Gedenken an Gerard Batliner
        

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