Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/111/
glied geworden, weil ein Vorstoss eines britischen Abgeordneten in der Parlamentarischen Versammlung im letzten Augenblick die Aufnahme zu vereiteln drohte. Man mag einwenden, dass der Europaratsbeitritt ge- mäss der zur Diskussion stehenden Abstimmungsvorlage nicht zu den referendumsfähigen Staatsverträgen gehört hätte. Er veranschaulicht dennoch eine für Liechtenstein nicht untypische aussenpolitische Situa- tion. Es darf unter den Beteiligten wohl als unbestreitbar gelten: wenn die liechtensteinische Position gegenüber Strassburg wegen einer noch nötigen Volksabstimmung im geringsten unsicher gewesen wäre, wären wir in Strassburg nicht durchgekommen. Ausserdem wären wir mög - licherweise auch zu Hause auf ein Nein gestossen. Doppelt nein: bezüg- lich einem Europarat, der unsere Stellung gestärkt hat, auf dem wir heute aufbauen. Momentan würde ein UNO-Beitritt wohl leichter zu bewerk- stelligen sein als der (seinerzeit abgelehnte) Beitritt zum Völkerbund. Es ist aber noch nicht viele Jahre her, als etwa um 1970 herum ein Beitritt Liechtensteins zur UNO schon allein auf Seiten der UNO wohl aus- sichtslos gewesen wäre, weil man dort die Mikrostaaten auf einen nied- rigeren Status setzen wollte. – Sind wir nicht ein wenig übermütig ge- worden? Sicher ist, dass unser schwacher Staat heute innenpolitisch we- nig vorwärtskommt und grosse Fragen liegen bleiben. Soll er nun auch aussenpolitisch gebremst, ja blockiert werden? Der frühere Regierungs- chef Dr. Alfred Hilbe schreibt mit Recht: «Wenn wir uns heute so auf- führen, dass wir, wie es bei einer Volksabstimmung normal ist, unsere Auseinandersetzungen in aller Öffentlichkeit austragen, dann über- schreiten wir jene Grenzen im Umgang mit viel Grösseren, welche uns die Klugheit eingeben sollte, zu respektieren. Warum sollen wir die Grossen dazu herausfordern, uns wieder einmal zu zeigen, wie klein und schwach und abhängig wir in Wirklichkeit sind?» Als die Perser 480 vor Christus mit grosser Übermacht in die Bucht von Salamis eindrangen und Griechenland bedrohten – Athen war schon besetzt –, konnten sich die viel schwächeren Griechen nur retten, weil ihre kleineren Schiffe ausserordentlich beweglich und reaktionsfähig wa- ren. In der Aussenpolitik bewegen wir uns immer zwischen viel grösse- ren Schlachtschiffen. Wir sollten uns die Beweglichkeit nicht nehmen lassen. Wir danken Ihnen für das Gespräch.111 
Staatsvertragsreferendum: Sich nicht die Beweglichkeit nehmen lassen
        

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