Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
45
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000293176/73/
Obrigkeitliche Massnahmen trugen ab dem 19. Jahrhundert allmählich zur Waldkonsolidierung bei. Die erste Landkarte Liechtensteins aus dem Jahre 1721 zeigt für den Talraum, dass die Auwaldungen schon stark zu- rückgedrängt sind. Deren vollständiges Verschwinden wird durch die Notwendigkeit der Beschaffung von Wuhrholz verhindert (Broggi 1999). Seit wohl mehr als 1000 Jahren dienten die Feuchtgebiete des Tal- raums als Vieh- und Pferdeweiden, die Streue wurde auch als Futter oder Stalleinstreu benutzt. Auf der einigermassen massstabsgetreuen Kolef- felkarte von 1756 ist im Rheintal Liechtensteins noch nichts von einem Entwässerungssystem zu sehen. Weil auf der Karte bereits Nutzungs- formen unterschieden werden, können wir auch die entsprechenden Grössenordnungen abschätzen. Es gab damals rund 2330 ha Riedwiesen und ca. 600 ha Auwald. Das machte mehr als die Hälfte des Talraums aus. Davon sind heute nur mehr 15 Prozent des Waldareals und 7 Pro- zent der Streuewiesen verblieben (Broggi 1988). Die ökologische Funktionsfähigkeit der Landschaft dürfen wir, dargestellt am Beispiel der Fliessgewässer bis zu Beginn des 19. Jahr- hunderts, dennoch als noch weitgehend intakt beurteilen. Es ergeben sich damit in der Landschaftsbeurteilung folgende we- sentliche Zeitabfolgen: –Nacheiszeit (17000 Jahre) bis Römerzeit = plus/minus Naturland- schaft – Frühes Mittelalter (Karolinger) bis 19.Jh. = naturnahe Landschaft – 19. Jahrhundert (ab 1820-er Jahre) bis 1950 = traditionelle Kultur- landschaft (= das in unseren Köpfen vertraute Bild), mit Zähmung der Fliessgewässer (1820–1870) und landwirtschaftlichen Meliorationen (1900–1960). – Ab den 1950-er Jahren zunehmende Zivilisationslandschaft mit mas- siver Intensivierung der Landwirtschaft und Raubbau an Boden. Die starken Landschafts-Zäsuren fanden somit im 19. Jahrhundert statt. Auf den Rheinkarten sind zunehmender Wuhrbau und Entwässerungen im Hinterland des Rheines zu erkennen. Eine eigentliche Kolonisierung des Rheintals findet mit der Anbauschlacht «Wahlen» – benannt nach dem späteren Bundesrat Traugott Wahlen – während des Zweiten Welt- krieges und in den nachfolgenden Jahren statt. Die traditionelle Kultur- landschaft verwandelt sich zusehends in eine Zivilisationslandschaft (Broggi 2005). Mit einem Bodenverschleiss von 1 Quadratmeter pro Mi- 73 
Das Alpenrheintal im Zeitraffer seiner Landschaftsgeschichte
        

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