Der Staatsgerichtshof variiert damit die Kontrolldichte bei der Gleichheitsprüfung von Gesetzen in zwei Abstufungen. Beim 
Ge- schlechtund bei 
Diskriminierungenwegen der Rasse, Hautfarbe, ethni- scher Herkunft, Religion, Sprache… hat der Einzelne keine oder kaum Einflussmöglichkeiten darauf, ein solches Kriterium zu ändern.28Diese Kriterien stellen daher Teilaspekte der Menschenwürde dar. Nach der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes kann – im Gegensatz zur Recht- sprechung des deutschen Bundesverfassungsgerichts – eine sachlich ge- rechtfertigte Ungleichbehandlung an ein verpöntes Unterscheidungs- merkmal anknüpfen, der Staatsgerichtshof macht in diesem Fall aber eine 
strenge Prüfung.29 Für alle anderen Sachbereiche gilt die Willkürformel.3077 
Prüfungssystem 28Das deutsche Bundesverfassungsgericht spricht in diesem Zusammenhang von «persönlichkeitsbedingten Eigenheiten». Vgl. dazu BVerfGE 96, S. 1 (6), wo das Bundesverfassungsgericht ausführt Art. 3 Abs. 2 und Abs. 3 GG verbiete jede Be- nachteiligung oder Bevorzugung wegen persönlichkeitsbedingter Eigenheiten. Siehe dazu auch Kokott, S. 132 sowie auch S. 293 ff. 29Vgl. Hoch, Schwerpunkte, S. 76 ff.; Wille H., Verfassungsgerichtsbarkeit, S. 59 f. Siehe für die Schweiz ferner Kälin, Ausländerdiskriminierung, S. 569 und S. 576. Dieser führt richtig aus, dass die Hürde für die sachliche Rechtfertigung einer Un- terscheidung je nach dem angerufenen verpönten Merkmal höher oder weniger hoch gesteckt sein könne. Um Unterscheidungen aufgrund von Rasse, Geschlecht und Religion gerechtfertigt erscheinen zu lassen, würde es sehr viel gewichtigere Gründe brauchen als bei Unterscheidungen, die an weniger verpönten Merkmalen anknüpften. Bei Unterscheidungen, die an besonders verpönte Merkmale, wie Spra- che, Religionszugehörigkeit und ethnischer Herkunft anknüpfen, kann meines Er- achtens eine sachliche Rechtfertigung nur ausnahmsweise gelingen. Zur Rechtspre- chung und Lehre in Deutschland siehe S. 291 ff. 30Mit dieser Variierung der Kontrolldichte nähert sich der Staatsgerichtshof dem Ver- ständnis des Gleichheitssatzes des Bundesverfassungsgerichtes, wonach der allge- meine Gleichheitssatz je nach Regelungsgegenstand und Differenzierungsmerkma- len von einer blossen Beachtung des Willkürverbots bis hin zu einer strengen Bin- dung an Verhältnismässigkeitserfordernisse reicht. Zur Rechtsprechung des deut- schen Bundesverfassungsgerichts vergleiche BVerfGE 55, S. 72 (89); BVerfGE 89, S. 15 (22); BVerfGE 105, S. 73 (110 f.); BVerfGE 110, S. 141 (167 f.); BVerfGE 110, S.412 (431 f.). Vgl. auch Kokott, S. 131 ff.; Phaelke-Gärtner, Rz 55 ff. Siehe dazu ausführlich S. 291 ff.
        

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