Der Staatsgerichtshof stellt bei Individualbeschwerden also das ma- terielle Recht ins Zentrum seiner Überlegungen. In diesem Sinn hat er auch wiederholt festgehalten, dass die Durchsetzung des materiellen Rechts nicht durch überspitzten, mit keinem schutzwürdigen Interesse zu rechtfertigenden Formalismus auf unhaltbare Weise erschwert werden dürfe.4Dieser Ansicht ist zuzustimmen, sie darf aber nicht dazu führen, dass der Staatsgerichtshof (schwierige) prozessuale Fragestellungen sys - tematisch von seiner Rechtsprechung ausblendet.5Auch im Hinblick auf den Kostenersatz ist es nicht zulässig, eine Willkürbeschwerde, die mög- licherweise unzulässig ist, hilfsweise als unbegründet abzuweisen.6 Die Willkürbeschwerde richtet sich grundsätzlich nach den Vorgaben der Individualbeschwerde. Im Folgenden werden die allgemeinen Sachentscheidungsvoraussetzungen nur kurz dargestellt, während auf die Rügepflicht bei Willkürbeschwerden, die funktionell-rechtliche Ab- grenzung des Staatsgerichtshofes von den Fachgerichten und das Nova- verbot umfassender eingegangen wird.7 426Besonderheiten 
der Willkür beschwerde als Individualbeschwerde 74, Urteil vom 16. September 2003, S. 12, noch n. p. Vgl. auch Höfling, Verfassungs- beschwerde, S. 106 f.; Wille T., S. 449 ff. 4Vgl. etwa: StGH 2005/2, Urteil vom 27. September 2005, S. 18 f. Zum Verbot des überspitzten Formalismus vergleiche Kley, Grundriss, S. 248 f.; Höfling, Grund- rechtsordnung, S. 243 f.; Hoch, Verfahrensgarantien, S.115. Für die Schweiz siehe Müller J. P., Grundrechte, S. 500 ff. sowie Häfelin/Haller, Rz833f. und Müller G., Art. 4 aBV, Rz 96 ff. Zum überspitzten Formalismus siehe auch S. 363 f. 5Kritisch auch Wille T., S. 449 ff. 6Vgl. dazu Wille T., S. 450 f. Zur Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes zum Ko- stenersatz im Verfahren vor dem Staatsgerichtshof siehe Wille T., S. 668 ff. 7Es werden hier die allgemeinen Formerfordernisse und Fristen der Individualbe- schwerde nicht behandelt. Vgl. dazu ausführlich Wille T., S. 476 ff. und S. 491 ff.; Höfling, Verfassungsbeschwerde, S. 156 ff.
        

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