wohingegen die vergleichbaren Rechtsquellen in der Schweiz und in Deutschland den menschenrechtlichen Charakter des Gleichheitssatzes hervorheben.115 Nach der älteren Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes konnten sich Ausländer nur dann auf den allgemeinen Gleichheitssatz berufen, wenn ihnen der Schutz des Gleichheitssatzes durch Staatsvertrag oder durch Gegenrecht gewährleistet war.116Seit Anfang der neunziger Jahre hält sich der Staatsgerichtshof nicht mehr an den – allzu engen – Wort- laut des Art. 31 Abs. 1 Satz 1 LV und dehnte dessen Anwendung auch auf Ausländer aus.117In der herrschenden Lehre wird diese Rechtspre- chung positiv bewertet.11835 
Persönlicher Geltungsbereich 115Neben der grammatikalischen Auslegung sprechen auch die historische (die Verfas- sung von 1921 steht in der Tradition des süddeutschen Konstitutionalismus) und die logisch-systematische Auslegung (die Grundrechte werden im IV. Hauptstück un- ter dem Titel «Von den allgemeinen Rechten und Pflichten der Landesangehörigen» aufgelistet.) dafür, dass es sich bei den Grundrechten um Staatsbürgerrechte handelt. Vgl. dazu Frick, Gewährleistung, S. 144 ff.; Batliner, Schichten, S. 293 f. Zu den schweizerischen und deutschen Rechtsquellen vergleiche S. 248 f. und S. 281 ff. 116Vgl. StGH 1975/5, Entscheidung vom 25. Oktober 1976, S. 9 ff. Vgl. auch StGH 1978/10, Entscheidung vom 11.Oktober 1978, LES 1981, S. 7 (10); StGH 1984/13, Urteil vom 24.Mai 1985, LES 1985, S. 108 (109); StGH 19887/15, Urteil vom 3. Mai 1988, LES 1988, S. 134 (135 f.). Siehe auch Kley, Grundriss, S. 204 mit Nachweisen zur Rechtsprechung; Höfling, Grundrechtsordnung, S.207; Hoch, Schwerpunkte, S. 81 ff.; Frick, Gewährleistung, S. 62 und S.148 ff. 117Vgl. StGH 1990/16, LES 1991, S. 81 (82). Der Staatsgerichtshof führt dort aus: «Ob- wohl in Abschnitt I dieser Konvention [EMRK] der Gleichheitsgrundsatz nicht ex- plizit gewährleistet wird, sondern das in Art. 14EMRK statuierte Diskriminie- rungsverbot nur für die in der Konvention selbst gewährleisteten Grundrechte gilt, hält sich der Staatsgerichtshof bei der Überprüfung der Verletzung innerstaatlicher Grundrechte an den vorerwähnten Grundsatz des Art. 1 EMRK […]. Einziges Er- fordernis, damit sich eine Person auf die in der Konvention niedergelegten Rechte oder aber – wie eben dargelegt – auf ein innerstaatliches Verfassungsrecht berufen kann, ist somit, dass sie der Jurisdiktion des entsprechenden Staates unterworfen ist. Nicht erforderlich ist es hingegen, dass sie auch in dem entsprechenden Staat ihren Wohnsitz bzw. Aufenthalt hat […].» Vgl. aus der neueren Rechtsprechung etwa: StGH 2005/56, Urteil vom 31. Oktober 2005, S. 5n. p. Vgl. dazu auch Frick, Ge- währleistung, S. 62; Kley, Grundriss, S. 204; Hoch, Schwerpunke, S. 81 f.; Höfling, Grundrechtsordnung, S.61 ff. und S. 207. 118Vgl. Kley, Grundriss, S. 204, der meint, der Gleichheitsgrundsatz als «ein derart fun- damentaler Verfassungsgrundsatz» könne nicht vom Bestehen eines Gegenrechts abhängig gemacht werden. Zustimmend auch Höfling, Grundrechtsordnung, S. 207; sowie wohl auch Hoch, Schwerpunkte, S. 81 ff. Anderer Ansicht ist dagegen Frick, Gewährleistung, S. 153 ff.
        

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