chend sieht die Abstimmungsvorlage für eine neue schweizerische Bundesverfassung vom 18.12.1998 neben dem Rechtsgleichheitsge- bot (Art 8) auch eine Verfassungsbestimmungen mit der Marginalie ‹Schutz vor Willkür und Wahrung von Treu und Glauben› (Art 9) vor). 4.3 Während indessen das schweizerische Bundesgericht 
unge- schriebene Grundrechtein einer jahrzehntelangen Rechtsprechung anerkennt, hat sich der StGH zu dieser Frage explizit nur in der StGH-E [Staatsgerichtshofentscheidung] 1970/2 geäussert. Er hat sich dabei in Anlehnung an die österreichische Rechtsprechung für die Geschlossenheit der Verfassung und somit gegen die Anerken- nung ungeschriebener Grundrechte ausgesprochen (StGH 1970/2, ELG 1967–1972, 259; in der nicht veröffentlichten EStGH 1977/4, S 10, hat der StGH allerdings offen gelassen, ob es ein ungeschrie- benes Recht auf Ehe gebe). Indessen hat sich die liechtensteinische Praxis die österreichische Konzeption der Geschlossenheit des Rechtsquellensystems nie konsequent zu eigen gemacht, da jeden- falls im Grundrechtebereich eine Nachführung der Verfassung, wie dies insbesondere die schöpferische Rechtsprechung des StGH notwendig gemacht hätte, nie erfolgt ist (s zum Ganzen Andreas Kley, Grundriss des liechtensteinischen Verwaltungsrechts, LPS Bd 23, Vaduz 1998, S 67 ff sowie Wolfram Höfling, aaO, S 24 f mit aus- führlichen Rechtsprechungsnachweisen). Der StGH hat sich bisher damit beholfen, 
neue Grundrechteaus geschriebenen Grundrechten, insbesondere dem Rechtsgleichheits- grundsatz von Art 31 Abs 1 
LVabzuleiten(neben dem 
Verbot der Rechtsverweigerung und -verzögerunginsbesondere den 
Anspruch auf rechtliches Gehör und auf ein faires Verfahren; siehe hierzu StGH 1996/6, LES 1997, 148 (152 Erw 3.1) mit Verweis auf Wolf- ram Höfling, aaO, S 247 f). Auch abgesehen von Art 31 Abs 1 LV hat der StGH die Umschreibung der verfassungsmässig gewährlei- steten Rechte in der Regel als bewusst so flexibel gehalten erachtet, dass sie eine allen verfassungswesentlichen Schutzbedürfnissen ge- recht werdende Auslegung zulasse (s StGH 1984/14, LES 1987, 36 (38)). Die Frage der Anerkennung ungeschriebener Grundrechte hat deshalb in der Rechtsprechung des StGH bis anhin, wie die spärliche Judikatur zeigt, praktisch keine Bedeutung gehabt.339 
Anerkennung des Willkürverbots als ein ungeschriebenes Grundrecht
        

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