gibt es einige Autoren, die neben der Auslegung auch bei Ableitungen aus einer Norm von geschriebenem (schriftlichem) Recht sprechen.11 Wenn auch Normen, die durch Ableitungen gewonnen werden, in den Begriff des geschriebenen Rechts miteinbezogen werden, ist (beinahe) alles Recht geschrieben und der Begriff des ungeschriebenen Verfas- sungsrechts wird überflüssig.12Insbesondere die herrschende schweize- rische Lehre subsumiert Ableitungen aus bestehenden geschriebenen Verfassungsartikeln auch noch unter den Begriff des geschriebenen Rechts.13Trotzdem handelt es bei den ungeschriebenen Grundrechten, die das Bundesgericht in der Rechtsprechung zur alten Bundesverfas- sung anerkannt hatte, um ungeschriebenes Verfassungsrecht. Denn diese Grundrechte entnahm das Bundesgericht der Bundesverfassung «ohne den leisesten Bezug auf einen Artikel, die Präambel, oder die Über- gangsbestimmungen»14. Nachdem nun im Rahmen der neuen Bundes- verfassung eine umfassende Nachführung im Grundrechtsbereich er- folgt ist, dürfte sich in Zukunft beinahe immer ein geschriebener Verfas- sungsartikel finden, woraus neue Grundrechte abgeleitet werden kön- nen.15H. A. Wolff schlägt vor, die Abgrenzung zwischen geschriebenem und ungeschriebenem Recht an der Praxis auszurichten: «Die nähere Bestimmung der Grenzziehung orientiert sich daher an der Terminologie, die die Praxis beherrscht. Bei dieser Grund- lage sind Rechtssätze, die durch Auslegung gewonnen werden, noch als geschriebene Normen qualifizierbar, aber nicht mehr die- 318Willkürverbot 
als ungeschriebenes Grundrecht terpretation gibt es daher nicht und ist wohl auch nicht anzustreben. Vgl. dazu Frick, Gewährleistung, S. 221 ff. und S. 266; Hoch, Rezension Kuno Frick, S. 53. Zur Auslegung von Verfassungsrecht siehe Kley-Struller, Auslegung, S. 74 ff.; 80 f.; Kley, Grundriss, S. 82 ff. und S. 101 f.; Stern, Staatsrecht Band I, S. 123 ff.; Starck, Verfassungsauslegung, Rz 1 ff.; Rz 16 ff. Zur juristischen Hermeneutik siehe Kley, Grundriss, S. 106 ff.; Kley-Struller, Rechtsschutz, S.155ff.; Mastronardi Philippe, Juristisches Denken. Eine Einführung, 2. Aufl., Bern 2003, Rz 90 ff.; Rz 101 ff. 11Vgl. etwa Stern Klaus, Staatsrecht Band I, S. 111. Siehe auch die zahlreichen Litera- turhinweise bei Wolff, S. 203 ff. 12Vgl. Wolff, S. 203 ff. 13Vgl. dazu Schäfer, S. 9 ff. mit Literaturhinweisen. 14Aubert, Bundesstaatsrecht Band I, Rz 311. Vgl. auch Müller J. P., Verfassungsge- richtsbarkeit, S. 67 f. 15Vgl. dazu aber Kley, Grundrechtskatalog, S.305 und S. 312.
        

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