aber mit gleicher sachlicher Zuständigkeit können ein Bundesgesetz un- terschiedlich anwenden (unterschiedliche Praxis). Dasselbe gilt auch für kommunale oder andere örtlich dezentralisierten Behörden.253 Meines Erachtens muss auch hier gelten, dass die ungleiche Rechts- anwendung (Behördenpraxis) sachlich begründet ist. Wenn für die un- gleiche Rechtsanwendung (Praxis) dagegen keine sachlichen Gründe vorliegen, verstösst sie gegen den Gleichheitssatz. Das Problem besteht darin, dass ein solcher Verstoss nicht mit der Einheitsbeschwerde bezie- hungsweise der subsidiären Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung der Rechtsgleichheit gelöst werden kann, da eine kantonale Behörde nicht an die Anwendung der Praxis einer Behörde eines anderen Kan- tons gezwungen werden kann, «insofern bildet der Föderalismus eine absolute Schranke des Gleichbehandlungsanspruchs.»254 Der Staatsgerichtshof hat die Rechtsprechung des Bundesgerichtes übernommen, ohne zu berücksichtigen, dass der Grundsatz des Födera- lismus in dieser Form für Liechtenstein nicht zutrifft. Die Gemeinden besitzen zwar gemäss Art. 110 Abs. 1 LV auch in Liechtenstein im Rah- men ihres eigenen Wirkungsbereiches eine verfassungsmässig gewähr - leis tete Autonomie.255Daher ist eine uneinheitliche Rechtsanwendung der Gemeinden im eigenen Wirkungsbereich grundsätzlich denkbar.256 Soweit aber die Gemeinden in der Anwendung von Landesrecht einer einheit lichen Landesoberbehörde unterstehen, stellen sie nur eine Un- terbehörde innerhalb des Instanzenzuges dar und sind an die Rechtsan- wendung (Praxis) der Oberbehörde gebunden.257225 
Gleichheitssatz in der Rechtsanwendung: Sonderprobleme 253Siehe zu alldem Weber-Dürler, Anspruch, S. 13 f.; Müller J. P., Grundrechte, S. 403 ff.; Hangartner, Grundzüge, Band II, S. 185 f. alle jeweils mit entsprechenden Rechtsprechungsnachweisen. 254Vgl. dazu Weber-Dürler, Anspruch, S. 13 f. Kritisch zur Rechtsprechung des Bun- desgerichts Hangartner, Grundzüge, Band II, S. 185 f. 255Art. 110 Abs. 1 LV lautet: «Über Bestand, Organisation und Aufgaben der Gemein- den im eigenen und übertragenen Wirkungskreise bestimmen die Gesetze.» Vgl. auch Höfling, Verfassungsbeschwerde, S. 88 f. Siehe zu diesem Thema auch S. 37 f. und S. 58 f. 256Vgl. dazu StGH 1998/27, Urteil vom 23. November 1998, LES 2001, S. 9 (11); StGH 1998/10, Urteil vom 3. September 1998, LES 1999, S. 218 (224); siehe auch Hoch, Arbeitspapier, S. 8 mit Verweis auf diese beiden Entscheidungen. Zur Gemeinde - autonomie siehe oben S. 37 f. und S. 58 f. 257Kritisch zur Rechtsprechung des Bundesgerichts Hangartner, Grundzüge, Band II, S. 185 f., der im Sinne der hier vertretenen Meinung argumentiert. Ebenso Rhinow, Grundzüge, Rz 1666 f. Anderer Ansicht ist etwa Weber-Dürler, Anspruch, S. 13 f.
        

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