d)Willkürverbot und andere Grundrechte Im vorhergehenden Beispiel liess sich schon erkennen, dass der Staatsge- richtshof in derselben Formel zwei völlig verschiedene Aspekte behan- delt. Zum einen definiert er die qualifiziert falsche Rechtsanwendung 
als Willkür. Zum anderen verletzt die Anwendung von verfassungswidrigen Gesetzen oder 
Verordnungenspezifische Grundrechte. In StGH 1991/6 wird dieser Sachverhalt, die Prüfung des Willkürverbotes einerseits und die Prüfung von spezifischen Grundrechten andererseits, besonders deutlich. Mit den Worten des Staatsgerichtshofes gesprochen: «In behaupteter unrichtiger Anwendung einfacher Gesetze und Verordnungen durch die in richterlicher Unabhängigkeit entschei- dende letzte Instanz allein, ist eine Verletzung verfassungsmässig gewährleisteter Rechte nicht zu erblicken, sofern nicht entweder als verfassungs- oder gesetzwidrig erkannte Normen angewendet, oder im Falle der Überprüfung auf 
Willkür eine qualifiziert un- sachliche Rechtsanwendung, die einer Verletzung des Gleichheits- gebotes gleichkäme, erweislich wäreoder aber 
ein vom Willkürver- bot verschiedenes anderes verfassungsmässig gewährleistetes Recht durch die rechtsanwendende Behörde verletzt wird.»22 Diese Willkürformel verdient Zustimmung. Grundrechtsverletzungen können danach auf drei verschiedene Arten erfolgen. Zum ersten ver- stösst die Anwendung von verfassungs- oder gesetzwidrigen Normen gegen Grundrechte, zum zweiten verletzt die qualifiziert unsachliche Anwendung des einfachen Rechts das Willkürverbot und zum dritten kann eine Behörde durch die falsche Rechtsanwendung spezifische Grundrechte verletzen.151 
Ausgangsformeln 22StGH 1991/6, Urteil vom 19. Dezember 1991, LES 1992, S. 93 (95) mit Verweis auf Hangartner, Grundzüge Band II, S. 276 f. Siehe schon StGH 1984/12, Urteil vom 8./9. April 1986, LES 1986, S. 70 (71).
        

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