Liechtenstein Lichtenstein Liechtenstein 
  
  
Peter Geiger 
Liechtenstein in der Zeit des Zweiten Weltkrieges 
Im Fürstentum Liechtenstein, das an der Seite der Schweiz als neutrales, kleines Land von 
den Kriegsereignissen des Zweiten Weltkrieges verschont blieb, setzte die Erforschung 
jener Zeit erst zaghaft ein. Die liechtensteinische Geschichtsforschung hat sich noch wenig 
mit dem 20. Jahrhundert befaßt. Bis zur Gründung des Liechtenstein-Instituts in Bendern 
(1986) fehlte eine geschichtliche Forschungsstätte. Für Akten des Landesarchivs in Vaduz 
besteht eine Sperrfrist von 50 Jahren. Die kleinen, personenbezogenen Verhältnisse ließen 
lange Jahrzehnte nach dem Krieg befürchten, daß die zeitgeschichtliche Forschung den 
inneren Frieden stören möchte. Erst seit kurzem faßt die Forschung auch in Liechtenstein 
die Zeitgeschichte ins Auge. 
Eine Monographie zur Geschichte Liechtensteins im Zweiten Weltkrieg gibt es noch nicht. 
Kurze Übersichten finden sich in einigen Werken, welche die liechtensteinische 
Geschichte im grösseren Zeitrahmen darstellen, am zuverlässigsten bei Goop (2) und 
Raton (6). Gegenwärtig ist am Liechtenstein-Institut eine erste Gesamtdarstellung der 
Dreißiger Jahre und des Zweiten Weltkrieges im Entstehen (durch den Verf.). 
Anfangs der 1970er Jahre hat sich Grimm(3) erstmals einem Einzelthema zum Zweiten 
Weltkrieg zugewandt. Er untersuchte anhand der ihm damals zugänglichen Akten im Lan- 
desarchiv den Übertritt der Reste der sogenannten „Ersten russischen National-Armee“ 
unter Generalmajor A. Holmston-Smyslowsky nach Liechtenstein in den letzten Kriegsta- 
gen Anfang Mai 1945. Grimm verfolgte das diplomatische Tauziehen um die knapp 500 in 
Liechtenstein internierten Russen und um deren von einer sowjetischen Delegation gefor- 
derte Auslieferung, welcher Liechtenstein aber nicht stattgab. Henning von Vogelsang(7) 
schildert 1985 im Zusammenhang-mit dem Schicksal der internierten Russen das Krieg- 
sende in Liechtenstein; er hat hierzu Holmston-Smyslowsky und weitere Zeitzeugen 
befragt und Holmstons Privatarchiv benutzt. 
Eine wertvolle Sammlung von Text- und Bilddokumenten haben Jansen/Ospelt/Allgäuer 
(4) 1978 aus AnlaB des 40jährigen Regierungsjubiläums des Fürsten Franz Josef II. im Auf- 
trag der Regierung herausgegeben. Sie schôpfen vor allem aus den Zeitungen des Landes 
während der Kriegszeit sowie zurückhaltend auch aus dem Landesarchiv. Die Quellen- 
sammlung vermittelt vielfältige Einblicke in die verschiedensten Bereiche, in die inneren 
und äußeren Verhältnisse Liechtensteins gerade auch der Kriegszeit. Allerdings bleibt 
dabei der Blick hinter die diplomatischen und andere Kulissen hier noch weitgehend ver- 
deckt — etwa betreffend deutsche Absichten auf Liechtenstein, Absprachen mit dem Zoll- 
vertragspartner Schweiz, Nachrichtendienst, Landesverrat, Flüchtlingspolitik, 
Anpassung, Kontakte und Wirtschaftsverbindungen zum Reich und zu den Alliierten, 
Politik des Fiirstenhauses. 
Dem Verhältnis Liechtensteins zum Nationalsozialismus und zum Dritten Reich — und 
damit dem heikelsten Themenbereich — sind erst in jüngster Zeit gleich drei Aufsätze 
gewidmet worden, nämlich von Walk 1986 (8), von Carl 1987 (1) und von Krebs 1988 (5). 
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