Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/99/
Hôhere Tôchterschule 1946 bis 1973 97 
  
Det enorme Zuwachs an Schülerinnen am Institut führte ab den 1960er 
Jahren zu einer sozialen Durchmischung der Schülerinnen. Nicht nur 
wurden die Oberländerinnen aus ihrer Vormachtstellung an der Schule 
gedrängt, auch hielten vermehrt Schülerinnen Einzug, deren Väter Berufe 
niederer Positionen innehatten. 
Obwohl das Institut St. Elisabeth als Schule nach streng katholischen 
Grundsätzen geleitet wurde, zeigten die ASC-Schwestern ihre Offenheit 
darin, dass auch Mädchen anderer Konfessionen in die Höhere Töchter- 
schule aufgenommen wurden. Begonnen hatte die Aufnahme von Mäd- 
chen nicht katholischer Konfession während der Zeit des Mädchengym- 
nasiums, als jüdische Schülerinnen das Institut besucht hatten. Mit der Er- 
tichtung der Höheren Töchterschule führten die Schwestern diese Praxis 
nahtlos weiter. Dies soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die 
katholischen Mädchen am Institut St. Elisabeth stets in der Überzahl wa- 
ten. Die Schülerinnen protestantischen Glaubens entstammten reformiert 
geprägten Kantonen der Schweiz oder kamen aus protestantischen Teilen 
Deutschlands.38 Mitte der 1950er Jahre machte ihr Anteil über kurze Zeit 
hinweg zwischen zehn und zwanzig Prozent an den Schülerinnen der Hö- 
heren Töchterschule aus. Vor und nach dieser Zeit bewegte er sich mini- 
mal zwischen null und sieben Prozent. Als «Konfessionsexoten» an der 
Höheren Töchterschule können drei jüdische Mädchen, die das Institut 
St. Elisabeth Anfang der 1970er Jahre besucht hatten, griechisch-orthodo- 
xe Schülerinnen oder eine Altkatholikin bezeichnet werden. Die katholi- 
schen Strukturen der Schule wurden durch die unterschiedlichen Konfes- 
sionen der Schülerinnen nie aufgebrochen. Dies lag unter anderem aber 
auch daran, dass sich Nichtkatholikinnen stets in der klaren Minderheit 
befanden und die Schülerinnenschaft mehrheitlich aus streng katholisch 
erzogenen Liechtensteinerinnen bestand. Die nichtkatholischen Schülerin- 
hen — und dies mag erstaunen — wurden vom katholischen Religionsun- 
tetticht befreit, konnten ihn aber, wenn gewünscht, freiwillig besuchen. 
Zusätzlich zu den Katholikinnen waten die Ordensfrauen aber auch um 
dieser Stelle Dr. Wilfried Oehry, von dem ich die betreffende Steuerstatistik erhal- 
ten habe. 
39 Wie Bruno Santini- Amgarten beschrieben hat, wurden katholische Schulen über 
Jahrzehnte hinweg oft aus einer Mangelsituation heraus besucht, das heisst, weil 
ein entsprechendes Angebot im eigenen Umfeld fehlte, und abgesehen davon, ob 
€$ sich nun um andersgláubige oder katholische Schüler handelte. Das mag an die- 
ser Stelle vor allem für die Schülerinnen des Instituts St. Elisabeth gelten, die aus 
den reformierten Gebieten des Kantons St. Gallen stammten. Siehe. dazu Santini- 
Amgarten, Katholische Schulen im Spannungsfeld von Alternativ- und Ersatz- 
schulen, 33— 55, hier 45. 
 
        

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