Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/45/
Rahmenbedingungen, Mädchenbildung und katholisches Frauenbild 43 
  
einhellig abgelehnt wurde.!® Christa Mutter konstatierte für den Schwei- 
zetischen Katholischen Frauenbund dasselbe nicht vorhandene Verstánd- 
nis für eine Erwerbstätigkeit von Müttern. Eine Arbeitstátigkeit von Frau- 
en wurde ausschliesslich als Überbrückung bis zur Heirat angesehen. Die 
ausserháusliche Erwerbstätigkeit von Müttern aufgrund finanzieller Eng- 
pässe wollte man sobald als möglich beendet sehen.!?6 Von klerikaler Seite 
wurde befürchtet, dass mit der Arbeitstätigkeit der Frauen die Vernach- 
lässigung der Familien einhergehe. Wie Lukas Rölli-Alkemper in seiner 
Dissertation beschreibt, wurde die ausserhäusliche Berufstätigkeit der ver- 
heirateten Frau und Mutter als eine der grössten Gefahren für das christ- 
liche — und damit das katholische — Familienideal angesehen.!? 
Diese Einstellung gegenüber der Erwerbstátigkeit von Müttern stellte für 
die Zeit der 1950er und 1960er Jahre allerdings keine Eigenart speziell des 
katholischen Milieus dar, sondern verstand sich ebenso als bürgerliches 
Familienideal.138 Ein Befund für die Schweizer Gesellschaft zeiot auf, dass 
diese noch in den 1960er Jahren mehrheitlich der Ansicht war, dass eine 
richtige Schweizer Hausfrau und Mutter nicht arbeiten gehen sollte. !3 
Um diejenigen Frauen, die nicht aus finanzieller Notwendigkeit arbeiten 
gingen, für ihre wahren Aufgaben als Hausfrau und Mutter zu motivieren, 
setzte sich die katholische Kirche in Deutschland für das Ansehen der 
Hausarbeit in der Öffentlichkeit ein. Durch in der Mädchenbildung vor- 
geschriebene hauswirtschaftliche Kurse und Tätigkeiten sollten die jungen 
Frauen auf ihr Leben als Hausfrau und Mutter vorbereitet werden.!^ Die 
Aufwertung der Hausarbeit bedeutete allerdings gleichzeitig eine Verfesti- 
gung der geschlechterspezifischen Arbeitsteilung und die Zuschreibung 
55 Siehe Rólli-Alkemper, Familie im Wiederaufbau, 106—107. Die Vorstellung, die die 
katholische Zeitschrift «Sonntag» in Bezug auf die ausserháusliche Berufstátigkeit 
von Frauen vertrat, stimmt exakt mit dem überein. Siehe dazu Hediger, Das Bild 
der Schweizer Frau in Schweizer Zeitschriften, 142—144. 
Siehe Mutter, Frauenbild und politisches Bewusstsein im Schweizerischen Katholi- 
schen Frauenbund, 55. 
37 Siehe Rólli-Alkemper, Familie im Wiederaufbau, 109. 
75 Siehe Hediger, Das Bild der Schweizer Frau in Schweizer Zeitschriften, 45. Siehe 
dazu auch Gaby Sutter, Berufstitige Mütter. Subtiler Wandel der Geschlechter- 
ordnung in der Schweiz (1945-1970), Ziirich 2005, hier 73-190. 
Siehe Marthaler, Die Frauenrolle und das Bild der Frau in der Schweiz der langen 
50er Jahre, 77-80. In der Schweizerischen Rekrutenprüfung 1963 hatten die Re- 
kruten zwischen drei Aufsatzthemen auszuwählen, von denen fast ein Drittel das 
Thema «In der Schweiz sind viele Mütter berufstätig. Soll man das begünstigen 
oder bekämpfen?» wählte. Die jungen Soldaten sprachen sich praktisch ausnahms- 
los gegen die Berufstätigkeit von Müttern aus. Siehe Sutter, Berufstätige Mütter, 
91—94, 
140 Siche Rôlli-Alkemper, Familie im Wiederaufbau, 111. 
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