Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/38/
    
    
36 Rahmenbedingungen, Mädchenbildung und katholisches Frauenbild 
  
und zugleich wirksame Schulgeset»?" Liechtensteins beschrieben. Er 
spricht von der «Wiedergeburt des liechtensteinischen Schulwesens», da 
sich die Zustände seit den ersten gesetzlichen Massnahmen zusehends 
verschlechtert hätten.® Im 20. Jahrhundert waren für das Bildungswesen 
Liechtensteins vor allem zwei gesetzliche Neuerungen wichtig. Dies war 
zum einen das Schulgesetz von 1929, das eine völlige Erneuerung des seit 
Mitte des 19. Jahrhunderts geltenden Gesetzes darstellte und eine 
Grundlage für Einrichtungen, die von der früheren Gesetzgebung nicht 
geregelt worden waren, schuf. Zum anderen war es das Schulreformgesetz 
aus dem Jahre 1971, das wichtige Veränderungen brachte und unter ande- 
rem die Institution des Landesschulrates durch das liechtensteinische 
Schulamt ersetzte.” Das Schulgesetz von 1971 brachte eine vóllige Neu- 
ordnung des liechtensteinischen Bildungswesens. Bis heute fand keine 
derart vollstándige Gesetzesrevision mehr statt; es wurden seither jedoch 
verschiedene Artikel des Gesetzes erheblich teilrevisioniert.!0 
Obwohl die Mädchen seit mindestens Anfang des 19. Jahrhunderts zur 
Volksschule zugelassen waren, kann ihre Teilnahme am Schulunterricht 
für diese Zeit als nicht so selbstverständlich angesehen werden wie die- 
jenige der Buben.!°! Die Institution Kindergarten, die in Liechtenstein 
1881 Eingang fand, stand von Anfang an Kindern beiden Geschlechts 
offen. Der ersten weiterführenden Schule Liechtensteins war keine allzu- 
lange Dauer beschieden. 1858 für Buben eróffnet, musste sie zehn Jahre 
spáter schon wieder geschlossen werden. Beim zweiten Versuch, eine 
Landesschule zu etablieren, 1870, durften dann von Anfang an Mädchen 
am Unterricht teilnehmen. Die Landesschule, die der Schulstufe einer 
9 Martin, Das Bildungswesen des Fürstentums Liechtenstein, 40. 
% Martin, Das Bildungswesen des Fürstentums Liechtenstein, 40. 
99 Martin, Das Bildungswesen des Fürstentums Liechtenstein, 41—42. 
100 Gemäss freundlicher Mitteilung von Schulamtsleiter Guido Wolfinger vom 12. Ja- 
nuar 2007. 
Die Anfánge des Volksschulwesens sind für Liechtenstein unklar. Es kann auch 
kein genauer Zeitpunkt festgelegt werden, ab dem Mädchen dem Volksschulunter- 
ticht beiwohnen durften. Siehe Patricia Büchel, Als eine Frau lesen lernte, trat die 
Frauenfrage in die Welt, in: Frauenprojekt Liechtenstein (Hg.), Inventur. Zur Si- 
tuation der Frauen in Liechtenstein, Bern/Dortmund 1994, 22. Zur Mädchen- 
erziehung im Volksschulwesen in Deutschland zur Zeit des Kaiserreichs, der Wei- 
marer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus interessant zu lesen auch: 
Dórte Gernert, Mádchenerziehung im allgemeinen Volksschulwesen, in: Elke Klei- 
nau/Claudia Opitz (Hg), Geschichte der Mádchen- und Frauenbildung. Vom 
Vormárz bis zur Gegenwart, Bd. 2, Frankfurt am Main /New York 1996, 85—98. 
10
        

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