Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/29/
Rahmenbedingungen, Mädchenbildung und katholisches Frauenbild 27 
  
vetsitát Freiburg jeweils am ersten Dezembersonntag zugute kommen, 
sind in Liechtenstein bis zum Jahr 2003 auch eingezogen worden.?? 
Einen weiteren Aufschluss über die Verflechtungen von Staat und Kirche 
in Liechtenstein gibt die Handhabung des Eherechts. 1974 erst wurde die 
Ziviltrauung in Liechtenstein eingeführt, die geistlichen Vertreter Liech- 
tensteins hatten sich lange Zeit gegen eine Ánderung des Eherechts ge- 
wehrt, insbesondere gegen die mit der Gesetzesrevision verbundene Ein- 
führung der Ehescheidung.^? 
Ihren Einfluss macht die katholische Kirche im Fürstentum Liechtenstein 
auch anhand der gesetzlichen Feiertage geltend. Gemäss Herbert Wille 
erfolgte im Fürstentum die Zahl und die Wahl der staatlich anerkannten 
Feiertage überwiegend nach der Lehrmeinung der katholischen Kirche.]** 
Er beschreibt den Einfluss der Kirche in diesem Bereich als evident, da 
die katholische Kirche «seit jeher aktiv am staatlichen und gesellschaft- 
lichen Leben des Volkes teil[nimmt] und [es mit]prägt [...], so dass die 
Feiertage bis heute von einem religiós christlich-katholischen Charakter 
zeugen und die Bindung an die katholische Kirche augenfállig»?5 sei. 
In Anlehnung an den Historiker Rupert Quaderer soll hier das Schluss- 
wort zu diesem Punkt gefunden werden. Er konstatiert, dass die rómisch- 
katholische Kirche den Menschen in Liechtenstein ein Leben lang beglei- 
tete. 
3? Siehe dazu Erzbistum Vaduz (Hg.), Schematismus — Direktorium 2003/2004, Va- 
duz 2003. In den Jahren 2000 bis und mit 2002 brachten die Universititskollekten 
in Liechtenstein durchschnittlich etwa 7000 Franken pro Jahr ein. Siehe Erzbistum 
Vaduz (Hg), Vobiscum. Publikationsorgan des Erzbistums Vaduz, die jeweils 
erste Nummer der Jahre 2002, 2003 und 2004. 1960 erhielt die Universität Frei- 
burg vom liechtensteinischen Landtag eine Spende im Wert von 100 000 Franken 
zum Ausbau der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultát. Siehe dazu RBR 
1960, 47. 
Siehe Ursula Wachter, Das Liechtensteinische Eherecht. Die Entwicklung des 
liechtensteinischen Eherechts seit 1800, in: Frauenprojekt Liechtenstein (Hg.), In- 
ventur. Zur Situation der Frauen in Liechtenstein, Bern/Dortmund 1994, 124— 
130, hier 124. Siehe zum liechtensteinischen Eherecht auch: Wille, Staat und Kir- 
che, 219—257. Für die Anfangszeit des 20. Jahrhunderts auch: Arnold Oehry, Die 
Eheschliessung nach liechtensteinischem Internationalprivatrecht, Innsbruck 1948. 
In den meisten Lándern Europas hatte sich die Zivilehe im 19. Jahrhundert im 
Gefolge der Franzósischen Revolution durchgesetzt. Im Deutschen Reich wurde 
sie beispielsweise 1875 eingeführt, rund 100 Jahre früher als in Liechtenstein. Mit 
der Einführung der Zivilehe wurde gleichzeitig auch die Ehescheidung von staat- 
licher Seite ermóglicht. Siehe dazu Rólli-Alkemper, Familie im Wiederaufbau, 35. 
** Siehe Wille, Staat und Kirche, 282. 
55 Wille, Staat und Kirche, 282. 
53 
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.