Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/23/
Rahmenbedingungen, Mädchenbildung und katholisches Frauenbild 21 
  
den Ausländer, so bekannten sich im Jahr 2000 12,5 Prozent der ausländi- 
schen Wohnbevölkerung zum Islam. 
In Anlehnung an Urs Altermatt kann man in Liechtenstein von einer 
Volkskirche sprechen. Volkskirche bedeutet — so Altermatt —, dass die 
Kirche mit der sie umgebenden Gesellschaft mehr oder weniger de- 
ckungsgleich ist. Das Typische des Volkschristentums läge darin, dass der 
Einzelne ohne eigenes Dazutun in die kirchliche Gemeinschaft aufge- 
nommen werde, so wie man auch ganz automatisch Mitglied der Nation 
werde, in die man hineingeboren werde.?! Im Gegensatz zur Situation in 
der Schweiz befanden sich die Katholiken in der Geschichte Liechten- 
steins nie in einer Minderheitenstellung und hatten sich im politischen 
und sozioókonomischen Bereich nicht gegen Protestanten durchzu- 
setzen.?? Es kann in diesem Sinne in Liechtenstein nicht von einer katholi- 
schen Subgesellschaft die Rede sein, wie das für die Schweiz galt.? In An- 
lehnung an den Münsteraner «Arbeitskreis für kirchliche Zeitgeschichte», 
der für das Deutschland des 19. Jahrhunderts drei Modelle katholischer 
Vergesellschaftung unterscheidet, kann für Liechtenstein von einer katho- 
lischen Region mit traditioneller katholischer Lebenswelt und schwachem 
Vereinswesen gesprochen wetden.?4 
?! Siehe Altermatt, Katholizismus und Moderne, 79—81. 
? Zur Minderheitenstellung der Schweizer Katholiken siehe auch: Altermatt, Der 
Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto. Die katholische Subgesellschaft hat 
Urs Altermatt in einem Sammelband von Karl Gabriel und Franz-Xaver Kauf- 
mann zut Soziologie des Katholizismus näher erläutert: Urs Altermatt, Katholi- 
sche Subgesellschaft. Thesen zum Konzept det «katholischen Subgesellschaft» am 
Beispiel des Schweizer Katholizismus, in: Karl Gabriel/Franz-Xaver Kaufmann 
(Hg.), Zur Soziologie des Katholizismus, Mainz 1980, 145—165. 
? Zur katholischen Subgesellschaft in der Schweiz siehe insbesondere: Urs Alter- 
matt/Franziska Metzger, Milieu, Teilmilieus und Netzwerke. Das Beispiel des 
Schweizer Katholizismus, in: Uts Altermatt (Hg), Katholische Denk- und Lebens- 
welten. Beitráge zur Kultur- und Sozialgeschichte des Schweizer Katholizismus im 
20.Jahrhundert, Freiburg 2003, 15—36; Urs Altermatt, Katholische Subgesell- 
schaft, 145—165. Oder auch Franziska Metzger, Die «Schildwache». Eine integra- 
listisch-rechtskatholische Zeitung 1912-1945. Zum Untersuchungsgegenstand des 
katholischen Milieus siehe weiter: Arbeitskreis für kirchliche Zeitgeschichte 
(AKKZG), Katholiken zwischen Tradition und Moderne. Das katholische Milieu 
als Forschungsaufgabe, in: Westfälische Forschungen, 43 (1993), 588—654. 
^ Als zweites und drittes Modell kennzeichnet der Arbeitskreis für kirchliche Zeitge- 
schichte zum einen nichtkirchliche Regionen mit wenig ausgeprägten Strukturen 
und zum anderen Gebiete mit starker Kirchenbindung und einem hohen Grad 
kirchlich-religióser Praxis, in denen sich katholische Vereine, Parteien und Zeitun- 
gen ausbreiteten. Siehe dazu Arbeitskreis für kirchliche Zeitgeschichte (AKKZG), 
Konfession und Cleavages im 19. Jahrhundert. Ein Erklirungsmodell zur regiona- 
len Entstehung des katholischen Milieus in Deutschland, in: Historisches Jahrbuch 
120 (2000), 364 — 372. 
 
        

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