Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/180/
    
    
178  Schleichende Verstaatlichung 1973 bis 1994 
  
Einstellung der Schulbehörden und der Regierung innerhalb weniger Jah- 
re grundlegend geändert. Im Vorfeld der Vereinbarung von 1982 sahen es 
die staatlichen Behörden noch als unmöglich an, einen Schulbezirk für die 
Mädchenrealschule St. Elisabeth festzusetzen, da dann nicht mehr Schüle- 
rinnen aus allen Gemeinden Liechtensteins an die Schule aufgenommen 
werden hätten können. Die Regierung wollte damit, obwohl sie die Nach- 
teile einer erschwerten Planung und höherer Kosten beim Schülertrans- 
port vermerkten, dem Wunsch der liechtensteinischen Bevölkerung nach- 
kommen, ihre Kinder in eine ausgeprágte Mádchenschule zu schicken.6?? 
Letztlich wurde der Entscheid über die Zukunft der Madchenrealschule 
St. Elisabeth zu einer parteipolitischen Frage. Die liechtensteinischen 
Landtagswahlen vom Februar 1993 manövrierten die bisherige VU-Mehr- 
heit ins Abseits und überliessen der neu gewählten FBP-Mehrheit das Ru- 
der. Eine Woche nach den Landtagswahlen fasste das liechtensteinische 
Schulamt in einer Aktennotiz die nun möglichen Vorgehensweisen der 
Regierung in Bezug auf die Mädchentealschule St. Elisabeth zusammen. 
Die liechtensteinischen Schulbehörden hatten sich zu beraten, was bei ei- 
nem allfälligen Entscheid oder Nichtentscheid schulorganisatorisch zu 
geschehen hatte. Die im November 1992 eingereichte Petition hatte die 
Angelegenheit zum Politikum werden lassen und keiner wollte sich nun 
die Finger daran verbrennen. Die drei folgenden Varianten, die jeweils 
ihre Vor- und Nachteile hatten, waren denkbar: Eine erste bestand darin, 
dass die Regierung vorläufig keinen Entschluss fasse und dies der neu zu 
bildenden Regierung überlasse. Eine Unsicherheit unter den Lehrern und 
Eltern sowie organisatorische Probleme wären damit verbunden gewesen. 
Eine zweite Variante bestand darin, dass die Regierung im Sinne ihres 
Grundsatzbeschlusses entscheide. Dabei galt es aber, nicht zu vergessen, 
dass in diesem Fall damit gerechnet werden konnte, dass sich die Peten- 
tinnen übergangen fühlten und eine Auseinandersetzung aufgrund des 
Wechsels der politischen Entscheidungsträger verunmöglicht wurde. Die 
dritte Möglichkeit sah eine Verlängerung des Status Quo vor und wollte 
die definitive Beschlussfassung der neuen Regierung überlassen.’% Ob- 
wohl diese dritte Möglichkeit mit den Nachteilen einer rechtlichen Un- 
sicherheit verbunden war und stark anfechtbar blieb, entschieden sich die 
Entscheidungsträger dafür, die Schwesternkongregation ASC anzufragen, 
69 Siehe BuA der Fürstlichen Regierung an den Hohen Landtag betreffend den Ab- 
schluss einer Vereinbarung mit dem Orden der Anbeterinnen des Blutes Chtisti, 
Schaan vom 27. Oktober 1981, 11. 
700 Siehe LLA, RF 348/001/3, Aktennotiz des Schulamtes, 12. Februar 1993.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.