Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/158/
    
    
156 Schleichende Verstaatlichung 1973 bis 1994 
  
Arbeitseinsatz in einem Wohlstandsmilieu sinnwidrig»9. Die mit dem 
Abschluss eines Vertrages entstehenden Pflichten waren den Schwestern 
bewusst. Sie ráumten ein, dass sie sich, wenn sie im Schuldienst dem all- 
gemein geltenden Lohntarif entsprechend besoldet würden, selbstver- 
stándlich auch an die Gesetze bezüglich Ausbildung, Befähigung und Al- 
tersgrenze binden würden.° 
Der Prozess bis zur vertraglichen Vereinbarung vom Juli 1974, die fortan 
die Leistungen und Verpflichtungen des Landes und der Kongregation in 
Bezug auf die «Mädchenrealschule St. Elisabeth» regeln sollte, dauerte gut 
drei Jahre, bis sich sowohl Kongregationsleitung als auch Regierung und 
Schulamt mit allen Punkten einverstanden erklärten. Von Seiten des 
Schulamtes wurde dem Ansuchen der Schwestern entgegenkommend be- 
gegnet. Wie in einer Stellungnahme zur Vereinbarung zwischen dem Staat 
Liechtenstein und dem Institut St. Elisabeth vom damaligen Schulamtslei- 
ter Josef Wolf vermerkt wurde, hatte das Land Liechtenstein ein Interesse 
daran, die Kongregation auf mittlere oder längere Frist hinaus zu ver- 
pflichten, eine private Realschule mit Parallelklassen zu führen. Dies aus 
dem Grunde, da das Land Liechtenstein die für eine weitere Realschule 
notwendigen räumlichen und personellen Voraussetzungen sonst selbst 
hätte schaffen müssen.®19 Die staatlichen Behörden verfolgten mit der 
Vertragsabschliessung die Intention, die Dienste der Kongregation bis 
mindestens Ende der 1970er Jahre zu erhalten, da sie sich angesichts des 
damaligen Lehrermangels nicht in der Lage sahen, selbst einen qualifizier- 
ten Lehrkórper zu stellen.®!! Aus der Sicht der Vertreter des Schulamtes 
sollte ein Vertrag auch eine Gleichstellung des Instituts St. Elisabeth mit 
dem Liechtensteinischen Gymnasium schaffen, dessen Leistungsbezüge 
vom Land Liechtenstein in keinem Vergleich zu der Klosterschule auf 
Dux standen. Eine Rechnung des Schulamtes zeigt auf: Während 1972 
dem Liechtensteinischen Gymnasium jährlich 66 000 Franken pro Klasse 
zur Verfügung standen, mussten die ASC-Schwestern mit 28 000 Franken 
pro Klasse auskommen. Mit den 600 Franken, die die Behörden pro in 
Liechtenstein wohnhafte Schülerin an das Institut leisteten, musste die 
Kongregation die ordenseigenen Lehrkräfte bezahlen, das Gebäude er- 
halten und für die Betriebs- und Lehrmittelkosten aufkommen. In Anbe- 
608 LLA, V 102/1592, Institut St. Elisabeth an Regierungschef Dr. Alfred Hilbe, 3 
März 1971. 
609 Siehe LLA, V 102/1592, Institut St. Elisabeth an Regierungschef Dr. Alfred Hilbe, 
3. Márz 1971. 
610 Siehe LLA, V 102/1592, Amtsvermerk des Schulamtes, 6. Mai 1974. 
611 Siehe LLA, RF 267/833, Aktenvermetk, 7. Juni 1974.
        

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