Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/138/
    
    
136 Höhere Töchterschule 1946 bis 1973 
  
auf die Erhaltung des katholischen Milieus und die Wahrung der katholi- 
schen Identität, da die Frauen sich zu Hause, vor allem in der Erziehung 
ihrer Kinder, für das katholische Milieu eingesetzt hätten.°2? «Als Frauen, 
vor allem aber als Mütter kam ihnen die wichtige Aufgabe zu, die katholi- 
schen Wertvorstellungen weiter zu tradieren, zu verfestigen und notfalls 
gegen schädliche Einflüsse von aussen abzuschirmen. Dadurch leisteten 
sie einen entscheidenden Beitrag für die Erhaltung der katholischen Iden- 
tität. Im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen, die am Rednerpult 
und auf der Kanzel, im Wirtshaus und auf der Strasse für die katholischen 
Postulate eintraten, wirkten die Frauen im Hintergtund — zu Hause»? 
Kann das an der Höheren Töchterschule St. Elisabeth vermittelte Frauen- 
bild in den 1940er, 1950er und 1960er Jahren als konservativ eingestuft 
werden, das keinen wirklichen Wandel durchmachte, so muss für die Ge- 
sellschaft Liechtensteins von derselben Annahme ausgegangen werden. 
Das schon vor dem Zweiten Weltkrieg sich in Liechtenstein langsam ent- 
wickelnde und in den Jahren der prosperierenden Wirtschaft nach dem 
Zweiten Weltkrieg endgültig einziehende bürgerliche Ideal einer Familie 
führte zu einer Vorstellung von der Frau, als aufopfernder, liebevoller und 
in den Bedürfnissen der Familie aufgehenden Ehegattin und Mutter, wäh- 
rend der Mann die Rolle des Familienernährers zu spielen hatte. Nur 
Mädchen fortschrittlich denkender Familien konnten bis in die späten 
1940er Jahre eine höhere Ausbildung geniessen, da der allgemeine Kon- 
sens war, dass die Volksschule für die spätere Bestimmung der jungen 
Frauen als Hausfrau und Mutter völlig ausreiche.”* Die Historikerin 
Claudia Heeb-Fleck beschrieb, dass die gern gesehene und «naturgegebe- 
ne Bestimmung» der Frau für den häuslichen und des Mannes auf den 
ausserhäuslichen Bereich in Liechtenstein erst mit dem wirtschaftlichen 
Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg zum Tragen kam.5?5 Obwohl 
die ideologische Austichtung der Frauen auf diese bürgerliche Norm 
schon vorher bestanden hátte, sah der gelebte Alltag der Frauen im von 
starker Arbeitslosigkeit geprägten Liechtenstein anders aus und erfüllte 
522 Siehe Altermatt, Katholizismus und Moderne, 84; 101. 
523 Altermatt, Katholizismus und Moderne, 204. 
524 Siehe Beatrice Schmid, Die Auffassung der Familie ist subjektiv, in: Frauenprojekt 
Liechtenstein (Hg.), Inventur. Zur Situation der Frauen in Liechtenstein, Bern/ 
Dortmund 1994, 13. 
525 Siehe Claudia Heeb-Fleck, Frauenarbeit im agrarisch geprägten Liechtenstein, in: 
Frauenprojekt Liechtenstein (Hg.), Inventur. Zur Situation der Frauen in Liechten- 
stein, Bern/Dortmund 1994, 55. Zur Entwicklung der Hausarbeit im historischen 
Prozess seit dem 18. Jahrhundert und der Herausbildung des bürgerlichen Fami 
lienideals siehe ausführlich: Kuhn, Haus Frauen Arbeit, 18—25. 
 
        

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