Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/129/
Höhere Tóchterschule 1946 bis 1973 1 
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Nicht zuletzt galt der Nachwuchs als hôchstes Glück einer zufriedenen 
Ehe. Den jungen Frauen am Institut wurde nochmals klargemacht, was 
Muttersein bedeutete: «Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes von unschätz- 
barem Wert, das ihr [der Mutter] anvertraut wird. Die Mutter soll nie ver- 
essen, dass sie eine grosse Verantwortung trägt. Über eine gute und 
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flichttreue Mutter geht nichts in der Welt.»^6 Die zukünftige Mutter soll- 
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te sich ohne Probleme in jeder Lage zurechtfinden können, angefangen 
bei der Schwangerschaft. Nichts wurde ausgelassen: Tipps zum morgend- 
lichen Erbrechen in der ersten Zeit der Schwangerschaft, die Berechnung 
des genauen Geburtstermins und die organisatorische Vorbereitung auf 
die Geburt des Kindes, inklusive Kaufempfehlung zum Wickeltisch. War 
das Kind dann erstmal auf der Welt, musste es richtig ernährt und ge- 
pflegt werden. Nicht vergessen wurde von Seiten der Schwestern die 
mahnenden und appellierenden Worte. Empfängnisverhütung war nur in 
Form von Enthaltsamkeit erlaubt. Jede andere Methode lehnten sie ab 
und liessen das ihre Schülerinnen auch wissen.9" Die Abtreibung verur- 
teilten sie auf das Ausserste. Und für den Fall einer Fehlgeburt oder un- 
vorhergesehener Komplikationen bei der Geburt erklärte man den Schü- 
lerinnen des Instituts St. Elisabeth die Nottaufe, die sie in diesem Falle 
selbst durchzuführen hatten. 
Lósten sich die meisten ehemaligen Schülerinnen der Anfangszeit des Ins- 
tituts St. Elisabeth bei der Heirat von ihrem Beruf, so verschob sich der 
Zeitpunkt des Berufsaustritts bis zur Geburt des ersten Kindes — oder 
fand sogar überhaupt nicht mehr statt — bei den Schülerinnen, die erst ge- 
gen Ende der Hóheren Tóchterschule die Klosterschule besuchten.*9 Die 
?* Hauswirtschaftsordner von Frau L. aus den 1960er Jahren, Kapitel Sáuglingspfle- 
ge. 
m Andrea Huwyler-Bachmann beschreibt für die Zeit der 1930er und 1940er Jahre 
die Methode der Enthaltsamkeit als einzige anerkannte Verhütungsmethode in ka- 
tholischen Kreisen. Siehe Huwyler-Bachmann, Die katholische Mutter der Stadt 
Luzern zwischen 1930 und 1945, 113—115. Die ASC-Schwestern vertraten damit 
auch in den 1960er Jahren noch die Vorgaben der katholischen Kirche. Diese hat- 
te sich nàmlich, wie auch schon in den 1950er Jahren, mit der Enzyklika «Huma- 
nae vitae» 1968 zu einem Zeitpunkt, als die Pille seit einigen Jahren auf dem Markt 
wat, grundsätzlich gegen eine künstliche Empfángnisverhütung ausgesprochen. 
Siehe Tschirren, Ehe- und Sexualmoral im Schweizer Katholizismus 1950-1975, 
47-70; 93-145, 
Siche dazu die Interviews mit den ehemaligen Schülerinnen des Instituts St. Elisa- 
beth. Zur Entwicklung des weiblichen Erwerbsverlaufes aus soziologischer Sicht 
Siehe beispielsweise: Wolfgang Lauterbach, Berufsverlàufe von Frauen. Erwerbstà- 
tigkeit, Unterbrechung und Wiedereintritt, Frankfurt am Main/New York 1994; 
Angelika Tôlke, Heirat und Geburt als Einschnitte in der weiblichen Erwerbsbio- 
graphie, in: Claudia Gather/Ute Gerhard/Katin Prinz/Mechthild Veil (Hg.), Frau- 
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