Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/122/
       
    
120 Höhere Töchterschule 1946 bis 1973 
  
sich wuschen. [...] Dann wurden auch Kranke gepflegt, die vom Aussatz 
befallen waren. Zu.denen kommt nur alle Wochen dreimal eine Schwester 
hin, die sie im christlichen Glauben unterrichtete.»*77 
Die Veränderungen der Zeit, vor allem im religiösen Wertebereich, hatten 
die Schülerinnen in ihrem Unterricht und auch in den Diktaten und Auf- 
sätzen zu verarbeiten. Die Konzilseröffnung des Zweiten Vatikanischen 
Konzils (1962-1965) verfolgten die Schwestern vom Institut St. Elisabeth 
mit ihren Schiitzlingen im Kino von Schaan mit.#’8 Das Thema Glaubens- 
krise fand Ende der 1960er Jahre Eingang in den Unterricht. Unter dem 
Titel «Wer nicht glaubt...» schrieben die Mädchen ein Diktat zu dieser 
Thematik, welches zum Schluss kam, dass der Papst der momentanen 
Glaubenskrise durch eine Glaubenserneuerung entgegenwirke. Der Ap- 
pell an die Schülerinnen blieb nicht aus: «Der Papst wünscht, dass man in 
allen christlichen Familien, Pfarreien und Diözesen täglich um den Glau- 
ben bete. Das Gebet ist die einzige Medizin, die Glaubenskrise unserer 
Zeit zu überwinden. [...] Aber Seelen für die Ewigkeit zu retten, ist un- 
endlich grösser und mehr. Und gerade das erwartet Gott, erwartet die 
Gottesmutter und der Papst von uns allen.»*7° 
In Bezug auf das in den Aufsätzen und Diktaten vermittelte Frauenbild 
kann über den Zeitraum von knapp zwanzig Jahren kein allzu grosser 
Wandel festgestellt werden. In den 1950er Jahren beschrieb Frau G. in 
einem Diktat unter dem Titel «Eine Frau ist so schön, wie sie mütterlich 
isty%80 die «heilige Sendung und Verantwortung»^?! der Frauen und Mütter. 
Der Text legt unmissverständlich dar, dass die Schwestern noch nicht im 
Zeitalter der Gleichberechtigung von Mann und Frau angekommen waren 
und auf die natürlich gegebenen Unterschiede von Mann und Frau poch- 
ten. In der Optik des gesellschaftlichen Zeitgeistes Liechtensteins wider- 
sprach dies in keiner Weise den herrschenden Verhältnissen. Bis zur poli- 
tischen Gleichstellung von Mann und Frau sollte es in Liechtenstein noch 
rund dreissig Jahre dauern.*? Den Mádchen predigte man über das Diktat 
^" Aufsatz von Frau G. in den 1950er Jahren. 
^8 Siehe das Interview mit Frau L. vom 22. April 2006. In der Institutszeitschrift 
«Der Meldereiter aus Schaan» berichtet Sr. Alma Pia vom Kinoausflug des Ins- 
tituts, um den Dokumentarfilm über das Zweite Vatikanische Konzil zu sehen. 
Siehe dazu: Sr. Alma Pia, Hier Radio St. Elisabeth..., in: Der Meldereiter aus 
Schaan, Januar 1965, 6. 
479 Diktat von Frau L. in den 1960er Jahren. 
480 Diktattitel von Frau G. in den 1950er Jahren. 
41 Diktat von Frau G. in den 1950er Jahren. 
482 Zur beruflichen Gleichstellung von Mann und Frau in Liechtenstein siehe: Frick, 
Frauenerwerbsarbeit im Liechtenstein der Nachkriegszeit bis zum Beginn der sieb- 
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