Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/121/
Höhere Töchterschule 1946 bis 1973 119 
  
dem Inhalt dieses Buches könnte man so manches lernen. 
Z. B. die Dankbarkeit und Zufriedenheit des anspruchslosen 
Mädchens.»*72 
Auch in den späten 1960er Jahren hatte sich die Auffassung in Bezug auf 
die religiöse Wertevermittlung an die Schülerinnen in keiner Weise gewan- 
delt und wurde ihnen auf gleiche Art übermittelt. In einem Aufsatzheft ist 
zu lesen: «Im Glauben soll ich mich stets weiterbilden durch Predigten, 
Christenlehre, Religionsunterricht, gute Bücher. Es muss mir ein ernstes 
Anliegen sein, dass der wahre Glaube allen Menschen verkündet wird. 
Alles, was den Glauben gefährden könnte, muss ich meiden z. B. glau- 
bensfeindliche Bücher und Zeitungen, Umgang mit ungläubigen Men- 
schen. [...] Was ich tue, ist nur dann wertvoll, wenn ich es aus Liebe zu 
Gott verrichte»*73, 
Die Missionen der Kongregation in Afrika oder auf anderen Kontinenten 
waren am Institut ein ständiges Thema. Im Klassenzimmer stand über 
den ganzen Zeitraum der Klosterschule hinweg ein «nickendes Neger- 
lein»^*, dem man Geld einwetfen konnte. Die Schülerinnen hatten in der 
Anfangszeit der Höheren Töchterschule jede Woche eine gute Gabe an 
das «nickende Negerlein» zu leisten, später wurden die Spenden vermehrt 
freiwilliger entrichtet.5 Hatten sich 25 Franken angesammelt, konnten 
die Schwestern mit dem Geld ein Kind in Afrika taufen lassen. Manchmal 
zum Geburtstag einer Schwester oder wenn die Schülerinnen einer Lehre- 
tin eine besondere Freude machen wollten, schenkten sie ihr diesen Be- 
trag, um ein afrikanisches Kind auf den Namen der Lehrerin taufen lassen 
Zu kónnen. Die in der ersten Zeit der Hóheren Tóchterschule mit einem 
Geldbetrag abgegoltenen Strafen kamen in gleicher Weise der Mission zu- 
gute." 5 Die Vorstellungen über das Missionswesen in Afrika fand in die 
Aufsátze der Schülerinnen auf verklàrende Weise Eingang. «Am Sonntag 
nach der Friedensandacht ging ich mit meiner Freundin [anonymisiert, 
M.8] in den Missionsfilm. Dort sah man grosse und kleine Neger. Die 
kleinen waren so herzig, wenn man ihnen das Essen gab, und wenn sie 
T Aufsatz von der Schwester von Frau E. aus den 1950er Jahren. 
" Aufsatz von Frau L. aus den 1960er Jahren. 
" Das nickende Negerlein war eine Art Puppe, das dankend genickt hat, wenn man 
.. Geld einwarf. 
d Siehe das Interview mit Frau F. und Frau G. vom 31. August 2006 (Frau F. und 
Frau G. besuchten das Institut St. Elisabeth Anfang der 1950er Jahre); Interview 
mit Frau L. vom 20. Mai 2006 (Frau L. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte 
der 1960er Jahre). 
"* Siehe das Interview mit Sr. X. vom 28. September 2006. 
 
        

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