Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000274424_48/101/
Höhere Töchterschule 1946 bis 1973 99 
  
2 Ziel und Zweck der Schule 
«Der Unterricht und die Erziehung der Jugend bilden den 
Hauptzweck der Kongregation der Anbeterinnen des Kost- 
baren Blutes. Eine solche Aufgabe ist edel und reich an Ver- 
diensten; aber um guten Erfolg zu haben, muss man beson- 
dere Regeln der Klugheit und der Erziehung anwenden»? 
Die Umstrukturierung des Mádchengymnasiums in eine Hóhere Tôchter- 
schule wurde der boomenden Wirtschaftsphase im katholisch geprägten 
Liechtenstein der Nachkriegszeit gerecht. Die Geschäfte, Büros und Un- 
ternehmen benötigten junge und günstige Frauen als Sekretärinnen. Eine 
qualifizierte Ausbildung, wie diejenige am Institut St. Elisabeth, ermög- 
lichte den jungen Frauen einen raschen Einstieg ins Erwerbsleben, ohne 
dass sie eine zusätzliche kaufmännische Lehre hätten absolvieren müssen. 
Da ein Lehrabschluss für liechtensteinische Mädchen in den 1940er bis 
1960er Jahren noch alles andere als üblich war, kam die Hôhere Tôchter- 
schule diesem Bedürfnis nach einer kaufmännischen Ausbildung entge- 
gen. 
Neben den üblichen Handelsfächern und der allgemeinen Wissensbildung 
sollten die Mädchen aber auch für ihre zukünftige Rolle in der Familie 
und Gesellschaft vorbereitet werden. Die Schwestern am Institut St. Eli- 
sabeth strebten eine «begleitete Heranschulung des Mädchens und der 
Tochter für die fraulichen Berufe»98 an und legten dabei besonderen 
Wert auf die allumfassende katholische Werte- und Glaubensvermittlung. 
Die an der Hóheren Tóchterschule vorgesehene Ausbildung entsprach 
den konsetvativen Vorstellungen der staatlichen Behórden und passte in 
das in der Nachktiegszeit vorhandene Bild bezüglich der Frauenarbeit. 
Das Bildungsniveau der Frau sollte nicht dasjenige des Mannes über- 
steigen und die Arbeitsplätze sollten den Frauen mit der Heirat, spátes- 
tens aber bei der Geburt des ersten Kindes kündbar sein.? So vermerkte 
man in den Rechenschaftsberichten der Regierung wiederholt die lobens- 
werte und empfehlenswerte praktische Ausbildung am Institut sowie den 
SWRPAS Innen > : 
PAS, Konstitutionen der Genossenschaft der Schwestern von der Anbetung des 
* Kostbaren Blutes, o. O. 1938, 197. 
S LLA, RF 237/021, Institut St. Elisabeth an Landesschulrat, 15. Oktober 1945. 
Zur Frauenerwerbsarbeit in der Nachkriegszeit siehe ausführlich: Frick, Frauener- 
werbsarbeit im Liechtenstein der Nachkriegszeit bis zum Beginn der siebziger Jah- 
te, hier 109. : 
 
        

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