Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/94/
Dieser Geschichtsspur soll hier nicht gefolgt und nicht erneut die historische Bedeutung des Kleinstaates als Widerpart zum Grossstaat, nicht seine politischen und kulturellen Erfolge erörtert werden.15Ge- fragt wird vielmehr – 
erstens– nach seinen Krisen im Europa des 19. Jahrhunderts. Im 
zweitenSchritt wird eine Möglichkeit vorgeschla- gen, den europäischen Kleinstaat des 19. Jahrhunderts anders als üblich in eine historische Traditionslinie zu den Staatsformen der Frühen Neu- zeit einzuordnen, um von dorther seine Probleme im Jahrhundert des Nationalstaates zu bestimmen. Und 
drittenswird der Widerhall des Kleinstaates in der politischen Gestaltungsidee Föderalismus erkundet. Im Föderalismus als Idee und als staatliche Organisationsform sehe ich eine Möglichkeit, die fortdauernde Wirkkraft kleiner staatlicher Räume, ihre Transformation in föderative Vorstellungen von Nation und Nationalstaat zu verfolgen. Es geht um eine Wirkkraft jenseits der weni- gen Kleinstaaten, die im 19. Jahrhundert überlebt haben oder neu ge- schaffen wurden. Denn man verengt die Frage nach der historischen Be- deutung des Kleinstaates zu sehr, wenn man nur auf die Geschichte der kleinen Staaten blickt. Ihr historisches Erbe lässt sich auch dort erken- nen, wo der kleine Staat nicht überlebt hat, sondern aufgegangen ist im grösseren, machtvolleren Nationalstaat. Diese Konzeption zielt darauf, für das 19. Jahrhundert den Gegensatz Kleinstaat versus nationaler Macht staat von einer ungewohnten Seite zu betrachten: Was hat es für den grossen Nationalstaat bedeutet, wenn Kleinstaaten in ihm aufgegan- gen sind, sei es freiwillig oder mit militärischer Gewalt gezwungen. 98Dieter 
Langewiesche Weltkrieges. München 1937. In seiner kundigen, wenn auch einseitig wertenden Ge- samtdarstellung markiert der Westfälische Frieden einen «Wendepunkt von weltge- schichtlicher Bedeutung» (1), weil nun die einzelnen Staaten an die Stelle des Welt- reichs treten. 15Aufschlussreich dazu die Festschrift zum 65. Geburtstag von Gerard Batliner: Kleinstaat und Menschenrechte. Hrsg. Alois Riklin/Luzius Wildhaber/Herbert Wille. Basel 1993. Vgl. insbes. Kurt W. Rothschild: Liechtenstein ist ein kleiner Staat – na und? Gedankensplitter zum Kleinstaatsthema, S. 27–42; Peter Saladin: Klein- staaten mit Zukunft? S. 133–156; Michale Kreile/Helga Michalsky: Kleinstaaten im Prozess der europäischen Integration, S. 227–246; Ferenc Glatz: Mitteleuropa und seine «kleinen» Nationen, S. 257–267. Eine sozialwissenschaftliche Analyse der kleinstaatlichen Leistungskapazität: Hans Geser: Kleinstaaten im internationalen System, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44 (1992) S. 627–654.
        

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