Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/92/
zu etwas Grossem gehören und verräth damit deutlich, dass die Macht das erste, die Cultur höchstens ein ganz secundäres Ziel ist».5 Das 19. Jahrhundert mit seinem Streben zum nationalen Macht- staat sah Jacob Burckhardt dem Mysterium der Grösse verfallen,6für ihn ein gefahrvolles Zeichen, Gefahr für den selbständigen Bürger und die bürgerliche Kultur. Eine Zeit, die in der Grösse «den einzigen Massstab» sehe, werde geschlagen mit «grossen Männern». In ihnen verdichte sich die Geschichte, und das geschehe «fast nur in schrecklichen Zeiten».7 Schrecklich für den Bürger und die bürgerliche Kultur. Sie wusste Burckhardt im Kleinen verankert. «Der Kleinstaat ist vorhanden, damit ein Fleck auf der Welt sei, wo die grösstmögliche Quote der Staatsange- hörigen Bürger in vollem Sinne sind.»8Dieser Satz aus seinen 
Weltge- schichtlichen Betrachtungenist zum immer wieder zitierten Panier ge- worden, hinter dem die Verteidiger des Kleinstaates sich versammeln ge- gen seine Verächter. Diese Spur soll hier nicht erneut verfolgt werden, keine Ideenge- schichte des Lobes auf den Kleinstaat. Sie gibt es bereits, bis heute un- übertroffen formuliert von Werner Kaegi.9Auch er wie Burckhardt ein Schweizer Historiker – kein Zufall, und ebenfalls kein Zufall: geschrie- ben in einer Zeit höchster Gefahr für jede Form bürgerlicher Kultur, ge- richtet an ein breites Publikum, das in der nationalsozialistischen Erobe- 96Dieter 
Langewiesche 5Ebd. S. 302. 6Ebd. S. 378. 7Ebd. S. 392. 8Ebd. S. 259. 9Werner Kaegi: Der Kleinstaat im europäischen Denken (1938), in: Kaegi: Histori- sche Meditationen. Zürich 1942, S. 249–314; Kaegi: Über den Kleinstaat in der älte- ren Geschichte Europas, in: Kaegi: Historische Meditationen. Zweite Folge. Zürich 1946, S. 43–80. Noch immer lesenswert, die – wie Kaegis Aufsatz – ideengeschicht - liche Studie von Oskar Bernhard Cappis: Die Idee des Kleinstaates im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Basel 1923: Er betrachtet mit Karl Ludwig von Haller, Adam Müller, Friedrich Schlegel, Barthold Georg Niebuhr, Karl von Rotteck, Carl Theo- dor Welcker, Georg Gottfried Gervinus, Constantin Frantz und Jakob Burckhardt neun Befürworter des Kleinstaates und mit Johann Georg Droysen, Theodor Mommsen, Heinrich von Treitschke entschiedene Befürworter des grossen Macht- staates. Zudem stellt er mit Robert von Mohl und Johann Caspar Bluntschli zwei Autoren vor, die den grossen Staat als einen Schritt zum Weltreich sehen. Die Idee des Kleinstaates überlebte unter den deutschen Autoren im 19. Jahrhundert nur, so zeigt Cappis, als Forderung nach Föderalismus. Aus jüngerer Zeit s. etwa Gerd- Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.): Lob des Kleinstaates. Vom Sinn überschaubarer Le- bensräume. Freiburg – Basel – Wien 1979.
        

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