Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/78/
Verletzlichkeit aufweise1–, wenn das also heute schon schwer fällt, Staa- ten mit Bestimmtheit der Kategorie des Kleinstaats zuzuordnen, wie viel schwerer muss das in der Vormoderne gefallen sein – in einer Zeit, in der noch nicht einmal über die Grossmachtzugehörigkeit von Staaten Si- cherheit und allgemeiner Konsens herrschte, in der unklar war, wer denn überhaupt jene Pentarchie bildete, die nach eigenem Anspruch seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Politik in Europa kontrollierte! Da der Begriff «Kleinstaat» selbstverständlich in den grossen Enzyklo- pädien und Lexika der Vormoderne, etwa dem berühmten Zedlerschen «Universal-Lexicon», vergeblich gesucht wird (und demzufolge auch die «Historischen Grundbegriffe» über das Lemma Kleinstaat im Sinn von (deutscher) Kleinstaaterei nicht hinauskommen2), muss man sich der Umschreibung oder vielleicht sogar Definition auf Umwegen nähern. Ich versuche das über eine der zentralen politischen Schriften des ge- samten 18. Jahrhunderts, Saint-Pierres «Projet pour rendre la paix per- pétuelle en Europe», dessen Bedeutung als einer der Schlüsseltexte der politischen Aufklärung dank der Forschungen von Olaf Asbach3inzwi- schen erkannt worden ist und das zudem den Vorteil bietet, ganz am Be- ginn des 18. Jahrhunderts publiziert worden zu sein, also für jenes Jahr- hundert in diesem Punkt repräsentativen Charakter beanspruchen kann. In diesem «Projet», das erstmals in der Zeit des Utrechter Friedens- kongresses veröffentlicht wurde, einer Schrift,4die ausdrücklich auf das Reich rekurriert und viele seiner Grundgedanken aus der im Reich herge- stellten Symbiose von grossen, mittleren und kleinen Staaten bezieht, ent- wirft Saint-Pierre – um es zu wiederholen: viel mehr als der sich ins Uto- pische verrennende Vielschreiber, als der er bisher galt – das Modell eines 80Heinz 
Duchhardt 1Manfred G. Schmidt, Wörterbuch zur Politik, 2. Aufl., Stuttgart 2004, S. 356 f. 2Vgl. die Zusammenstellung der Belege in: Geschichtliche Grundbegriffe. Histori- sches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 8/1, Stuttgart 1997, S. 618. 3Staat und Politik zwischen Absolutismus und Aufklärung, Hildesheim/Zürich/ New York 2005; Die Zähmung der Leviathane. Die Idee einer Rechtsordnung zwi- schen Staaten bei Abbé de Saint-Pierre und Jean-Jacques Rousseau, Berlin 2002. 4Charles Irénée Castel de Saint-Pierre, Projet pour rendre la paix perpétuelle en Europe, Utrecht 1713 (ND Paris 1986). Der Einfachheit und der leichteren Zu- gänglichkeit wegen wurde auf eine deutsche Übersetzung zurückgegriffen: Abbé Castel de Saint-Pierre, Der Traktat vom ewigen Frieden 1713, hrsg. von Wolfgang Michael, dt. Bearbeitung von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Berlin 1922. Zu den folgenden Angaben vgl. S. 100 ff. in dieser Ausgabe.
        

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