Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/77/
Kleinstaaten zwischen den Grossreichen Heinz Duchhardt Es ist mehr als eine rhetorische Frage, vielmehr eine, die für die Aus- richtung des folgenden Beitrags von massgeblicher Relevanz ist: Was ist ein kleiner Staat? Schon für die Gegenwart würde die Beantwortung die- ser Frage Menschen in einige Verlegenheit stürzen – Liechtenstein, San Marino, Andorra und Monaco würden wohl ohne grosses Nachdenken diesem Typus zugeschlagen werden, wenn nicht sogar dem (freilich in der deutschen Sprache eher abwertend konnotierten) Typus des Zwerg- staats, aber schon bei Luxemburg würden sich angesichts der Bedeutung des Grossherzogtums im vergangenen und gegenwärtigen Europäisie- rungsprozess, also in einer Sphäre der «grossen» Politik, Zweifel einstel- len, ob dieser Staat schlankweg der Kategorie des Kleinstaates zugeord- net werden kann. Die Unsicherheiten würden noch grösser, wenn nach den Kriterien gefragt würde, nach den harten Fakten, die aus einem Ge- meinwesen einen «Kleinstaat» machen: Wären das nur die Quadratkilo- meterzahl und die Bevölkerungsgrösse, nur die Höhe des Bruttosozial- produkts und die Überschaubarkeit des Militärs, oder wären auch noch andere Kriterien zu gewichten, etwa, wahllos herausgegriffen, das Vor- handensein von Universitäten und internationalen Flughäfen, die Voll- mitgliedschaft in internationalen Organisationen, der Organisationsgrad von Berufsgruppen und deren Einbindung in kontinentale Vereinigun- gen? Sind Slowenien oder Montenegro, Estland und Lettland Kleinstaa- ten oder haben sie die Grenze zum Mittelstaat schon überschritten? Wenn das heute schon schwer fällt – und auch politikwissenschaft- liche Wörterbücher lassen den um eine Definition Bemühten im Stich bzw. begnügen sich, wie das renommierte «Wörterbuch zur Politik», mit lapidaren Umschreibungen wie «Staat mit relativ geringer Fläche, Bevöl- kerungszahl und geringem wirtschaftlichem und internationalem Ge- wicht», um das zu ergänzen damit, dass der Kleinstaat «hochgradig» ab- hängig von Grossstaaten sei, eine hohe Sensitivität und eine ausgeprägte 79
        

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