Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/67/
sammenkünften von Landschaft und Herrschaft führte und damit den Landschaften eine Periodizität sicherte, die Landstände grösserer Terri- torien nie erreicht haben. Die landschaftliche Finanzverwaltung bewegte grosse Summen, sie war Bank für das anlagesuchende Kapital und Kre- ditgeber für Landschaftsmitglieder. Die Rechtsfortbildung erfolgt in der Regel bei wichtigeren Mate- rien nicht ohne die Landschaft. In Trauchburg ist es das Strafrecht, an- derwärts sind es Statutsrechte der Untertanen (Leibeigenschaft, Freiheit) oder Rechtsformen der Liegenschaften (Erbrecht), die zwischen Herr- schaft und Landschaft ausgehandelt und in eine Vertragsform gebracht werden. Bemerkenswert an solchen Verträgen ist ihr Rang von Verfas- sungsdokumenten, die über Jahrhunderte von den Reichsgerichten als positives Recht akzeptiert wurden.26 Forstpachtverträge sind keine Trauchburger Besonderheit, sondern auch anderwärts nachzuweisen und nur ein Beispiel dafür, wie sehr sich die Landschaften bemühten, den Alltag gewissermassen zu 
entfeudali- sieren. Ein anderes ist die Ablösung der Fronen und die Finanzierung der erforderlichen Geldäquivalente an die Herrschaft über die Land- schaftskasse. Man sollte das nicht für Bagatellen halten. Die Wildschäden im Fürststift Kempten erreichten im 18. Jahrhundert mit amtlich ge- schätzten 60 000 Gulden jährlich etwa die Höhe des Steueraufkommens des ganzen Landes. Landschaften sind keine Parlamente. Aber sie sind ihnen funktional verwandt als prägende Faktoren des politischen Lebens. Das sind sie be- sonders unter dem Gesichtspunkt, dass sie durch ihre Beschwerden in er- heblichem Masse die Struktur des Kleinterritoriums mitbestimmen konn- ten, auch die Gesetzgebung, obschon hierzu noch wenig Arbeiten vorlie- gen. Institutionell ist die Landschaft eine Repräsentation der 
Bürger, wenn man die Untertanen über ihre Stellung in der Gemeinde definiert. Denn als Mitglieder der Gemeinde waren sie zweifelsfrei Bürger. Das wie- derum aber macht die Landschaften zu alteuropäischen Ständeversamm- lungen und nicht zu modernen Repräsentationskörperschaften, vertraten sie doch in erster Linie ihre Gemeinden, unbeschadet des freien Mandats, 69 
Alternativen zur frühmodernen Staatsbildung im Kleinterritorium 26Quellen und Interpretation Peter Blickle/André Holenstein (Hrsg.), Agrarverfas- sungsverträge. Eine Dokumentation zum Wandel in den Beziehungen zwischen Herrschaften und Bauern am Ende des Mittelalters (Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte 42), Stuttgart 1996.
        

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