Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/66/
die adelige Jagdleidenschaft. In Trauchburg wurde das Problem durch die Landschaft gelöst. Sie pachtete 1727 den herrschaftlichen Forst für jährlich 200 Gulden, ihre Mitglieder erhielten dafür das Recht, das Wild abzuschiessen. Am 1. Juli 1822 wurde die Landschaft auf Anordnung des Königs von Württemberg aufgelöst. Trauchburg ist in Grenzen ein paradigmatischer Fall für die Funk- tionen der Landschaften in Kleinterritorien, von denen bis heute rund 30 im Raum zwischen dem Elsass und Salzburg näher untersucht sind24 – Liechtenstein beziehungsweise Schellenberg und Vaduz warten noch auf eine fundierte Geschichte ihrer Landschaft.25Dennoch sind die Kenntnisse unbefriedigend, weil nahezu alle Landschaftsarchive im frü- hen 19. Jahrhundert vernichtet wurden. Landschaften in Kleinterritorien stellten überall politische Reprä- sentationen von Bauern, vereinzelt auch Bürgern, dar, ständisch gespro- chen, von Gemeinden, rückt man den institutionellen Aspekt in den Vordergrund. Das Personal der Landschaft setzte sich überwiegend aus Bauern zusammen, die in der Gemeinde führende Funktionen wahrnah- men, also politische Erfahrung hatten. Das Rückgrat einer Landschaft war die Bewilligung ausserordentlicher Anlagen oder die Übernahme herrschaftlicher Schulden mit der daraus entwickelten Finanzverwal- tung, die in der Regel wegen der Rechnungslegung zu jährlichen Zu- 68Peter 
Blickle 24Peter Blickle, Landschaften im Alten Reich. Die staatliche Funktion des gemeinen Mannes in Oberdeutschland, München 1973. Die weiteren generalisierenden Aus- sagen zu den Landschaften beruhen auf dieser Arbeit. – Ergänzend Volker Press, Steuern, Kredit und Repräsentation. Zum Problem der Ständebildung ohne Adel, in: Zeitschrift für Historische Forschung 2 (1975), S. 59–93. 25Die Landschaftsbildung in Liechtenstein ist bis heute nicht klar. Zu Unruhen und landschaftsähnlichen Versammlungen kam es offenbar mehrfach im 17. Jahrhundert. Die Parallelen zur Landgrafschaft Klettgau, die zeitweise den gleichen Herren wie Vaduz-Schellenberg unterstand, sind offensichtlich. Für den Klettgau Winfried Schulze, Klettgau, in: Heinrich R. Schmidt/André Holenstein/Andreas Würgler (Hrsg.), Gemeinde, Reformation und Widerstand. Festschrift für Peter Blickle zum 60. Geburtstag, Tübingen 1998, S. 415–431. – Für Liechtenstein Peter Kaiser, Ge- schichte des Fuerstentums Liechtenstein: nebst Schilderungen aus Chur-Rätien’s Vorzeit, Chur 1847, und [knapp] Pierre Raton, Liechtenstein, History and Institu- tion of the Principality, Vaduz 1970, S. 18 f. Zuletzt André Holenstein, Die Verfas- sung im vorkonstitutionellen Zeitalter. Zur Struktur und Funktion der Untertanen- huldigungen im Fürstentum Liechtenstein, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 90 (1991), S. 285–299, bes. S. 294.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.