Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/62/
und vierern» Bericht erstatten, die entscheiden, ob den Kranken der Zu- tritt zur Badstube gestattet werden kann oder nicht. Entlohnt wird der Bader in der Weise, dass ihm jeder Bauer und jeder Seldner (Inhaber eines Gewerbebetriebs mit kleiner Landwirtschaft) jährlich einen Met- zen Roggen und einen Metzen Hafer liefert. Darüber hinaus ist ihm je- der Bauer vier «Fahrten» schuldig, offenbar handelt es sich um das An- fahren von Holz, das von den Seldnern gescheitet wird, was jeden einen Arbeitstag kostet. Das Holz selbst stellt «die gemaind». Die Satzung wird ausgefertigt wie eine Urkunde. Vom Kloster Ingenried oder von sonst einer Obrigkeit oder Herrschaft ist nirgends die Rede. Was macht die Gemeinde Ingenried aus? Es gibt eine Gemeinde- versammlung, die jährlich zusammentritt, um den Bader zu bestellen, zu deren Rechten es aber auch gehört, Satzungen wie die vorliegende zu er- lassen. Wer die Gemeindeversammlung besucht, wird nicht gesagt, aber es sind vermutlich nur die «Bauern» und die «Seldner», die sich dadurch unterscheiden, dass erstere Zugvieh haben, letztere nicht. Von ihnen deutlich abgegrenzt sind die Knechte und Dienstboten (Ehalten), die jede Dienstleistung des Baders eigens bezahlen müssen. Die Gemeinde hat ihre eigenen Organe – neben der Gemeindeversammlung sind das Ammann, Gericht und Vierer. Ammann und Vierer nehmen Verwal- tungsaufgaben wahr, hier in Form der Gesundheitspolizei. Die Ge- meinde selbst verfügt über Vermögen, dazu gehört in diesem Fall Wald. Ingenried ist ein Realtypus von Organisation des alltäglichen Le- bens, also praktischer Politik. «Gute Policey» wird auch in Ingenried ausgeübt. Zeitgenössische Juristen hätten Ingenried den Status einer 
uni- versitasoder communitaszugebilligt, einer Korporation also, zu deren wesentlichen Definitionsmerkmalen das 
ius statuendides Verbandes und dessen Recht, seine Organe zu wählen, gehören.13Typologisch hat man mit der Gemeinde einen Fall politischer Vergesellschaftung vor sich, der sich vom 
Königswegder frühmodernen Staatsbildung – um metapho- risch zu sprechen – grundsätzlich unterscheidet. 64Peter 
Blickle 13Das bekannteste frühneuzeitliche Handbuch des Korporationsrechts schreibt diese Rechte ausdrücklich den Gebietskörperschaften (Städten, Dörfern) zu. Nicolaus Losaeus, Tractatus de iure universitatum, Spirae 1611. – Dazu zuletzt Sibylle Hun- ziker, Die ländliche Gemeinde in der juristischen Literatur, in: Peter Blickle (Hrsg.), Gemeinde und Staat im Alten Europa (Historische Zeitschrift, Beiheft 25), Mün- chen 1998, S. 397–468, hier S. 426–433.
        

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