Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/59/
Policey heisst Gesetzgebung und die zu ihrer Durchsetzung 
nötige Verwaltung. Von der mittelalterlichen 
curia regismit ihrer lehnsrecht - lichen Grundlage bis zu den Hofräten und Geheimen Räten, die auf Sachlichkeit der Entscheidungen ausgerichtet und damit auf Fachleute angewiesen waren, lief ein Prozess der Erweiterung und Differenzierung der Verwaltung auf der zentralen und regionalen Ebene mit einer schier unbeschreiblichen Vermehrung eines beamtenähnlichen Personals, das sich zunehmend aus einer bürgerlichen, universitär ausgebildeten Bevöl- kerungsgruppe speiste. Finanziert wurde die Verwaltung zunehmend über 
Steuern. Die Steuer gehört zu jenen Hoheitsrechten, mit denen der König seine wirt- schaftliche Überlegenheit gegenüber seinen Standesgenossen am deut- lichsten markieren konnte. Das traditionelle Geschäft der Friede- und Rechtswahrung hatten die Könige aus ihren Domänen finanziert, alles andere lief über Steuern. In Frankreich war das Steueraufkommen von 1600 bis 1789 um das Zehnfache gestiegen, real, nicht nominal. In Spa- nien wurden die Staatseinkünfte von einer Million Dukaten 1522 auf 30 Millionen im Jahr 1674 hinaufgetrieben. Das alles reichte nicht aus. Staatsschulden und Staatsbankrotte begleiteten die frühmoderne Staats- bildung. 50 Prozent der Einnahmen frass der Schuldendienst im 16. Jahr- hundert in Sizilien, 25 Prozent im 17. Jahrhundert in Frankreich. Überwiegend gingen die Steuermittel in das 
Militärund dienten der Kriegführung. In Spanien wurden dafür im 16. Jahrhundert 14 bis 29 Prozent des Staatshaushalts aufgewendet, im 17. und 18. Jahrhundert in den europäischen Ländern durchschnittlich 50 Prozent, gelegentlich schnellten die Militärausgaben auf Spitzenwerte von 76 Prozent in Frank reich und 88 Prozent in Dänemark hinauf. Das spätmittelalterliche System der temporär gemieteten Söldnertruppen, die nach der Taktik der eidgenössischen Gevierthaufen operierten, wurde im 17. Jahrhun- dert ersetzt durch jetzt ausschliesslich den Königen unterstellte stehende Heere, deren Waffen nicht mehr Langspiesse und Hellebarden waren, sondern Gewehre und Bajonette. Auf 300 000 Mann brachte es Frank- reich am Vorabend der Französischen Revolution, auf stattliche 200 000 Mann der preussische König. Als könne die königliche Macht über ihre Funktionen nicht hinrei- chend legitimiert werden, wurde das 
Gottesgnadentumin immer bizar- reren Formen zu seiner Rechtfertigung eingesetzt. Den Höhe- und Scheitelpunkt markiert Jacques-Bénigne Bossuet (1627–1704) mit sei- 61 
Alternativen zur frühmodernen Staatsbildung im Kleinterritorium
        

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