Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/40/
etablierte Rechtssystem der Reichsverfassung erhielten die Kleinen einen Rückhalt gegen die Machtambitionen der Grossen. Die Akzeptanz, auf welche dieses Rechts- und Verfassungssystem des Reichs in der regional und ständisch vielgestaltigen Gesellschaft der deutschen Territorien und Städte traf, ist ein bemerkenswertes und erklärungsbedürftiges Faktum, zumal das Heilige Römische Reich im Zeichen der Hegemonie Kaiser Karls V. und der Reformation Martin Luthers seit dem zweiten Jahr- zehnt des 16. Jahrhunderts starken Belastungen und Zerreissproben aus- gesetzt war.18 Es muss wohl mit der Bindekraft des Lehnssystems und der darauf aufbauenden Ständeordnung in Verbindung mit der rechtlichen Ausbil- dung der Landeshoheit erklärt werden, dass im Heiligen Römischen Reich die Bestandsgarantie für die Kleinen und Schwachen als normie- rendes politisches Ordnungsprinzip durchgesetzt werden konnte. Ein Gegenbeispiel bot südlich der Alpen das Italien der Renaissance.19 Im Mutterland der modernen europäischen Kultur hatte sich die Zahl der selbständigen Kommunen, Stadtrepubliken und Signorien in Ober- und Mittelitalien immer mehr verringert, indem die Stärkeren sich die Schwächeren unterwarfen und ihrem Staatsgebiet einverleibten. In die Territorien von Mailand, Venedig, Florenz und des Kirchenstaates waren eine ganze Reihe ehemals selbstbewusster staatlicher Einheiten eingegangen, die ihrerseits Stadtstaaten mit einem Landgebiet dargestellt hatten. Die Unterwerfung von Pisa durch Florenz 1406 – zwei Republi- ken – und die Einverleibung Bolognas in den Kirchenstaat 1506 seien hier als markante, aber keineswegs singuläre Beispiele genannt. Das Feh- len eines übergreifenden Ordnungssystems in Italien wird im Verlust der Freiheit der Kleinen gegenüber den Grossen sehr deutlich und führte bei dem scharfsinnigen Beobachter Machiavelli zur Formulierung seiner Theorie vom Wesen der Macht als eines dauernden Kampfes zwischen 42Anton 
Schindling 18Heinrich Lutz, Das Ringen um deutsche Einheit und kirchliche Erneuerung. Von Maximilian I. bis zum Westfälischen Frieden. 1490 bis 1648, Berlin 1983; Bernd Moeller, Deutschland im Zeitalter der Reformation, 4., durchges. u. bibliogr. erneu- erte Aufl., Göttingen 1999; Heinz Schilling, Aufbruch und Krise. Deutschland 1517–1648, Berlin 1988; Stephan Skalweit, Reich und Reformation, Berlin 1967. 19Volker Reinhardt, Geschichte Italiens. Von der Spätantike bis zur Gegenwart, Mün- chen 2003; Michael Seidlmayer, Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des Rö- mischen Reiches bis zum ersten Weltkrieg, Stuttgart 1962.
        

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