Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/212/
Die Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Nachbarn kann infor- mell erfolgen oder über Verträge geregelt sein, und sie begünstigt nicht nur den Kleinstaat selbst, sondern – je nach Aufgabe – auch seine(n) Partner. Liechtenstein, Costa Rica und Island beispielsweise besitzen seit langem keine eigenen Streitkräfte mehr. Deshalb können sie das dadurch frei werdende Geld für andere Aufgaben einsetzen. Selbstverständlich sind solche Arrangements nur dann möglich, wenn der Kleinstaat in ei- ner stabilen und friedlichen Region liegt und auch der grosse Partner da- von profitiert. Ein Kleinstaat, der mit seinem grossen Nachbarn auf (wirtschaftspolitischem) Kriegsfuss steht, kann kaum prosperieren. Dies zeigt das Beispiel Kuba deutlich. Seit dem Zusammenbruch des kommu- nistischen Blocks ist sein BIP pro Kopf und Jahr massiv zurückgegan- gen. Die kubanische Wirtschaftskrise mag zwar auch eine Folge struktu- reller Defizite sein, insbesondere der Konzentration auf wenige Bran- chen (Tourismus, Zucker, Tabak), noch stärker ist sie jedoch eine Kon- sequenz der US-amerikanischen Embargopolitik. Eine weitere Strategie, die ein Kleinstaat verfolgen kann, besteht darin, seine Souveränität wirtschaftspolitisch auszunutzen und sie in einen Standortfaktor 
sui generisumzuwandeln. Kraft der ihm zustehen- den Hoheitsrechte kann der Kleinstaat ausländischen Interessenten Dinge anbieten, die in anderen Staaten nicht vorhanden, kaum zu erhal- ten oder schlicht unverkäuflich sind: schöne Briefmarken, klingende Adelstitel, eine billige Rundfunkkonzession, niedrige Steuern, die Staatsbürgerschaft.29Er kann – mit anderen Worten – seine Souveränität kommerzialisieren. Der Erfolg der Finanzbranche auf den Bahamas so- wie in Hongkong, Luxemburg und Liechtenstein beruht zu einem gros- sen Teil auf diesem Muster: Ausländische Anleger und Sitzunternehmen finden dort seit Jahrzehnten vorteilhafte Bedingungen.30Allerdings 218Christoph 
Maria Merki 29Vgl. Christoph Maria Merki: Souveränität als Standortfaktor. Einige Beispiele aus der liechtensteinischen Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 105, S. 79–100. In den 1920er und 1930er Jahren verkaufte Liechtenstein seine Staatsbürgerschaft gegen hohe Gebühren an Flüchtlinge aus dem Ausland. 30Dazu: Christoph Maria Merki (Hg.): Europas Finanzzentren. Geschichte und Be- deutung im 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M./New York 2005 (darin u.a. Aufsätze zur Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein und den Kanalinseln Jersey und Guernsey). Als das Pfund von der britischen Regierung in den 1950er Jahren strengen Um tauschbestimmungen unterworfen wurde, konnte der Finanzplatz Hongkong
        

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