Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/177/
Das vorausgeschickt, ist festzustellen, dass das Dogma der Volks- souveränität nie vorherrschend war und es auch heute nicht ist. Zwar hat sich die nach Perikles überwiegend verfemte Demokratie seit 1800 in Europa und den USA zur idealen Staatsform gewandelt. Sie hat sich in den letzten 150 Jahren in vier Wellen ausgebreitet: die erste Welle ab 1848 in den heutigen OECD-Staaten, die zweite nach dem Zweiten Weltkrieg in den Ländern der Besiegten und in einigen ehemaligen Kolonien, die dritte in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts in Südeuropa und Lateinamerika, die vierte seit der Wende von 1989 in Mittel- und Osteuropa. Sieht man anhand der verschiedenen Demokratie-Indikato- ren allerdings genauer hin, so leben heute nur etwa 20 Prozent der Erd- bevölkerung in demokratischen Ländern, aber je etwa 40 Prozent in halbdemokratischen und in nichtdemokratischen. Fukuyamas «Ende der Geschichte» muss bestenfalls noch einige Generationen warten. Vorschläge, die Minderheit der Demokratien in den Vereinten Na- tionen zu privilegieren, sind nicht nur unrealistisch, sondern auch un- glaubwürdig. Denn die Demokratien sind überwiegend deckungsgleich mit den reichen Staaten christlicher Provenienz. Diese reichen Staaten setzen ihre wirtschaftlichen Interessen gegenüber den armen Ländern rücksichtslos durch, im Rahmen des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Welthandelsorganisation und bilateral durch Protek- tionismus, Subventionen, Begünstigung von Kapitalflucht und Steuer- hinterziehung, Sanktionen, verdeckte Geheimdienst-Operationen, Kriege und von demokratischen Staaten protegierte Konzerne. Von den 40000 multinationalen Unternehmen haben sich nur 3000 durchgerun- gen, den Global Compact zu unterschreiben. Würden die Demokratien ihr Volkssouveränitätscredo ernst nehmen, müssten sie den Völkern das Recht auf die natürlichen Ressourcen ihrer Länder zugestehen. Hinter dem 1953 vom CIA inszenierten Regimewechsel im Iran, also dem Sturz Mossadeghs und der Einsetzung des Schahs, standen die Interessen der britisch-amerikanischen Ölförderfirmen; es folgte das Mullah-Regime Khomeneys. Die «Bananenrepubliken» in Mittel- und Lateinamerika waren willfährige Diktaturen im Dienste der United Fruit Company; es folgte das Kuba Castros. Henry Kissinger und der US-Geheimdienst fä- delten den Sturz Alliendes in Chile ein; es folgte das Massenmord- und Folterregime Pinochets. Die USA und andere Westmächte unterstützten den Irak im Aggressionskrieg gegen den Iran. «Saddam Hussein ist ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn», soll  der CIA-Chef aus Bag- 183 
Ambivalenz der Souveränität
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.