Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/164/
Aus den Reihen der liechtensteinischen NS-Bewegung kamen Waf- fen-SS-Freiwillige und Spione für das Reich.61Drei Liechtensteiner wur- den in der Schweiz wegen Spionage für Deutschland als Landesverräter zum Tod verurteilt, einer davon 1944 
hingerichtet.62 3.«Heimattreue» Mehrheit Vom Grossteil der Bevölkerung wurden die einheimischen Nationalso- zialisten als «Verräter» angesehen.63Bei einer patriotischen Unterschrif- tensammlung der «Heimattreuen» in Reaktion auf den Putsch sprachen sich im April 1939 über 95 Prozent aller stimmberechtigen Männer für die Selbständigkeit Liechtensteins und für die Fortführung der Partner- schaft mit der Schweiz aus.64Allerdings lehnte sich auch die kleinere der beiden Regierungsparteien, die Vaterländische Union, mit einem Teil von Führung und Anhängerschaft in der Zeit der deutschen Siege in be- denklicher Weise über den grossdeutschen Zaun, um den Zug in die ver- meintliche deutsche Zukunft nicht zu verpassen.65Die Regierung wagte die Volksdeutsche Bewegung nicht zu verbieten, um Deutschland nicht zu reizen und um keine illegale NS-Partei nach österreichischem Vorbild zu erhalten. Doch taten Regierung, Landtag, Fürst, Kirche, Schule, Pfad- finder und kirchliche Jugendorganisationen alles, um die gewaltbereite NS-Bewegung in Schranken zu halten und das liechtensteinische Selb- ständigkeitsbewusstsein zu stärken. Gerade aus dieser inneren Selbstbe- hauptung wuchs eine über die Kriegszeit hinaus und bis heute nachwir- kende Selbstvergewisserung – heute als identitätsstiftend umschrieben66 – der liechtensteinischen Bevölkerung. 168Peter 
Geiger 61Geiger, Am Rande der Brandung, S. 66 ff. 62Peter Geiger, Landesverrat: Der Fall des in der Schweiz 1944 hingerichteten Alfred Quaderer, in: JBL, Bd. 98, Vaduz 1999, S. 109–142. 63Geiger, Krisenzeit, Bd. 2, S. 187ff., S. 259 ff., S. 346 ff. 64Ebenda, S. 409 ff. 65Vgl. die Artikel, teils Leitartikel, von 1940 bis 1943 im Liechtensteiner Vaterland, der Zeitung der Vaterländischen Union. 66Vgl. Wilfried Marxer, Nationale Identität – eine Umfrage aus Anlass 200 Jahre Sou- veränität des Fürstentums Liechtenstein, in: JBL, Bd. 105, Vaduz 2006, S. 197–235, hier S. 207–211.
        

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