Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/127/
Das Gewaltverbot war eine wirksame Schutzmassnahme für die kleineren Bundesmitglieder, die dadurch einerseits gegen die vor allem in der Frühzeit des Bundes latent vorhandenen Mediatisierungsabsichten der Mittelstaaten wie Bayern, Württemberg, Sachsen und Hannover ab- gesichert waren, während andererseits auch die beiden deutschen Gross- mächte innerhalb des Bundes keinen Gebrauch von ihrer militärischen Überlegenheit machen konnten, um sich kleine Nachbarstaaten einzu- verleiben. Der einzige Fall, in dem dies versucht wurde, führte dann auch zum Bruch des Deutschen Bundes: Als Preussen sich 1866 an- schickte, die während des deutsch-dänischen Krieges von 1864 gemein- sam mit Österreich besetzten Herzogtümer Schleswig und Holstein in seinen alleinigen Besitz zu nehmen, löste es damit eine militärische Kon- frontation zwischen den beiden deutschen Grossmächten aus, die zum gewaltsamen Ende des Staatenbundes führte. Erst mit der durch Waf- fengewalt erzwungenen Beseitigung des Deutschen Bundes war die Vo- raussetzung für die Beendigung der politischen Eigenständigkeit vieler deutscher Staaten geschaffen: Die nördlich der Mainlinie gelegenen Staa- ten, die sich wie Hannover, Kurhessen und Frankfurt im Bundeskrieg auf die Seite Österreichs geschlagen hatten, wurden 1866 sogleich von Preussen annektiert. Fast alle übrigen ehemaligen Bundesmitglieder ver- loren ihre völkerrechtliche Unabhängigkeit mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 beziehungsweise der Reichsgründung von 1870/71, als sie in den neuen Nationalstaat integriert wurden. Bis dahin hatte über den Zeitraum von mehr als einem halben Jahrhundert die staatenbündische Ordnung die eigenständige Existenz von etwa drei Dutzend Staaten, darunter eine Vielzahl von winzigen Herrschaften, in Deutschland ermöglicht. Der mächtigen Sogwirkung der (klein-)deutschen Nationsbildung, die sich nach 1866 ungestört entfalten konnte, vermochten sich nur drei ehemalige Mitglieder des Deutschen Bundes entziehen. Das war zum einen die Habsburgermonarchie, die sich einer grossdeutschen Lösung widersetzte, welche ja praktisch auf eine Abtrennung Deutsch-Öster- reichs hinausgelaufen wäre. Das österreichische Kaisertum blieb trotz der Kriegsniederlage gegen Preussen als europäische Grossmacht erhal- ten, es wahrte seine territoriale Integrität, und es bildete für ein weiteres halbes Jahrhundert eine imperiale Ordnung, die einen langwierigen, aber im wesentlichen erfolgreichen Abwehrkampf gegen die nationalen und nationalistischen Tendenzen in ihrem Innern führte. 131 
Kleinstaaten «ohne Nation» im 19. Jahrhundert
        

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