Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/121/
In Andorra, dem mit 468 Quadratkilometer grössten der genann- ten Staaten, übten seit 1278, als das Land den Status eines Fürstentums erhielt, die spanischen Bischöfe von Urgel und ein französisches Adels- geschlecht ein Kondominium aus. Der spanisch-französische Einfluss blieb bis heute erhalten, denn obwohl der sogenannte Paréage-Vertrag von 1278 im Jahr 1993 ausser Kraft gesetzt und Andorra durch eine neue Verfassung zu einem souveränen parlamentarischen Fürstentum umge- wandelt wurde, fungieren doch der Bischof von Urgel und der französi- sche Präsident formell weiterhin als Staatsoberhäupter, die bei interna- tionalen Verträgen ein Vetorecht ausüben können.10 Das Fürstentum Monaco, in dem seit dem 13. Jahrhundert das Ge- schlecht der Grimaldi regiert, stand bis zur Französischen Revolution unter der Schutzherrschaft Frankreichs, wurde 1793 an Frankreich an- geschlossen und gehörte bis zum Ende der napoleonischen Zeit zur fran- zösischen Nation. Diese nationale Einverleibung wurde jedoch 1815 wieder rückgängig gemacht, und Monaco erhielt auf dem Wiener Kon- gress seinen Status als eigenständiges Fürstentum zurück, wurde aber unter die Schutzherrschaft des Königreichs Sardinien gestellt. Diese ging nach der nationalen Einigung Italiens 1861 an Frankreich über, wobei sich das Territorium des Fürstentums durch Gebietsabtretungen an Frankreich vom 21,6 auf nur noch 1,5 Quadratkilometer drastisch ver- ringerte. Das war der Preis, den Italien für die französische Unterstüt- zung im Nationalkrieg gegen Österreich zahlte. Im 20. Jahrhundert wurde in mehreren Schutzverträgen (zuletzt 1953) die enge Bindung Monacos an Frankreich festgeschrieben.11 Durch einen Vertrag an Italien gebunden ist auch die kleine Berg- republik San Marino (60,57 Quadratkilometer), deren heutige Verfas- sung auf das Jahr 1600 zurückgeht und die bei der nationalen Einigung Italiens als einzige der vorhandenen politischen Einheiten nicht in das italienische Staatsgebiet einbezogen wurde.12Stattdessen schloss die Re- 125 
Kleinstaaten «ohne Nation» im 19. Jahrhundert 10Zur Geschichte Andorras siehe: Josep Maria Guilera, Una historia d’Andorra. Bar- celona 1960; Lidia Armengol Vila, Approach to the History of Andorra. Andorra 1989; Klaus-Jörg Ruhl, Spanien Portugal Ploetz. Staatengeschichte zum Nachschla- gen. Neu bearb. u. aktualis. Aufl. Freiburg 1998. 11Jean-Baptiste Robert, Histoire de Monaco. Paris 1997. 12Selbst der Vatikan wurde ja 1870 von Italien einverleibt und erhielt erst durch die Lateranverträge von 1929 die staatsrechtliche Eigenständigkeit zurück.
        

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