Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/119/
worden war. Am 17. Juni 1944 wurde die Republik Island ausgerufen, die schon 1946 als souveräne Nation den Vereinten Nationen beitrat, 1949 zu den Gründungsmitgliedern der NATO gehörte, 1950 dem Europarat und 1970 der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA beitrat.8 Während also im 19. Jahrhundert an der nördlichen, östlichen und süd- östlichen Peripherie Europas die Ausbildung souveräner Nationalstaa- ten durch die grossen Monarchien in den meisten Fällen gänzlich ver- hindert, auf jeden Fall aber erheblich verzögert wurde, setzte sich im Zentrum des Kontinents sowie im Westen und Süden die moderne Na- tionsbildung schon einige Jahrzehnte früher weitgehend durch. Neue Nationalstaaten entstanden seit Ende des 18. Jahrhunderts in zeitlicher Reihenfolge in Frankreich (1789 ff.), Spanien (1808 ff.), Griechenland (1822/32), Belgien (1830/31), der Schweiz (1848), Italien (1859), Luxem- burg (1867/90), Deutschland (1871), Rumänien (1878) und Serbien (1878). Insbesondere die italienische und die deutsche Nationsbildung während des dritten Viertels des 19. Jahrhunderts haben die historische Wahrnehmung der Epoche als Zeitalter der Nationsbildung und der Na- tionalstaaten massgeblich geprägt. Die mit grossem militärischem und politischem Einsatz verbundene, das europäische Mächtesystem tiefgrei- fend verändernde Gründung von Nationalstaaten in Italien und Deutschland wirkte sowohl für die Zeitgenossen als auch für die rück- schauenden Historiker um so spektakulärer, als hier grosse Territorien nationalstaatlich integriert und dabei gleichzeitig politisch, ökonomisch und sozial modernisiert wurden, die zuvor über Jahrhunderte hinweg in eine Vielzahl kleiner und kleinster partikularer Staaten und Herrschaften mit ganz unterschiedlicher Organisationsform fragmentiert gewesen waren. Gewiss waren diese Nationsbildungen in Mittel- und Südeuropa in ihren äusseren Formen wie in ihren inneren Wirkungen revolutionär. Sie veränderten das europäische Mächtesystem, verursachten Krisen und Konflikte, setzten eine teilweise unberechenbare politische Dynamik in 123 
Kleinstaaten «ohne Nation» im 19. Jahrhundert 8Vgl. Seiler, Kleinststaaten (wie Anm. 7), S. 89–91; Johannes Nordal/Valdimar Kris- tinsson (Eds.), Iceland. Reykjavik 1987; Jon R. Hjalmarsson/Pall Stefansson, His- tory of Iceland. From the Settlement to Present Day. Reykjavik 1993; Gunnar Karlsson, The History of Iceland. Illinois 2001.
        

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