Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
42
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000266743/107/
vornehmlich aus der kleinen Schicht der Gebildeten und Besitzenden bestehend, und seitens des Königs von Piemont-Sardinien, des einzigen annexionsfähigen Staates in Italien. Diese beiden stärksten Zentralisie- rungsmächte des 19. Jahrhunderts und damit per se die Hauptgegner des Kleinstaates, Nation und annexionswilliger fürstlicher Machtstaat, tri- umphierten in Italien. Schutz hätten sich die in ihrer Existenz bedrohten italienischen Staaten nur vom «dynastischen Familienkartell» Europas44erhoffen können. Hier versagte es jedoch, da die mächtigen «Paten» der italieni- schen Fürsten in diesem Kartell gegensätzliche Interessen verfolgten. Die Habsburgermonarchie schied als Helfer gegen einen italienischen Zentralstaat von vornherein aus. Da ihr die Lombardei und Venetien di- rekt zugehörten und sie mit den Fürsten von Modena, Parma und Tos- kana verwandtschaftlich verbunden war, bekämpfte sie alle italienischen Einigungspläne, erwies sich jedoch als zu schwach, um den staatlichen Status quo in Italien verteidigen zu können. Frankreich hingegen setzte unter Napoleon III. trotz der verwandtschaftlichen Beziehungen mit dem Königreich Neapel-Sizilien auf eine italienische Einigung, wenn auch nicht in der Gestalt, wie sie schliesslich zustande kam. Napoleon III. liess sich seine militärische und diplomatische Hilfe auf dem Wege zum italienischen Nationalstaat mit der Abtretung Savoyens und Nizzas entgelten; beides nach einer Volksabstimmung, an der jedoch nur ein Bruchteil der Bevölkerung teilnehmen durfte und im italienischsprachi- gen Nizza zudem die Anwesenheit französischer Truppen ‹Abstim- mungshilfe› leistete. Die italienische Einigung vernichtete die Einzelstaaten, ihre Insti- tutionen und auch ihre Throne, als sie in den neuen nationalen Zentral- staat eingeschmolzen wurden. Ein Gemeinschaftswerk von Nation und Monarch, von Revolution und Machtstaat. Dem italienischen Nationalstaat ist diese Zentralisierungsradikali- tät nicht gut bekommen. Er begann mit einem Bürgerkrieg, der mehr Opfer kostete, als die nationalen Einigungskriege; er musste lange mit der Gegnerschaft des kirchentreuen Katholizismus leben; und er musste sich damit abfinden, dass Teile Italiens, vor allem der Süden, die natio- 111 
Der europäische Kleinstaat im 19. Jahrhundert 44Heinz Gollwitzer: Ludwig I. von Bayern. Königtum im Vormärz. Eine politische Biographie. München 1986, S. 22.
        

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