Die Medien im Dienst der Politik 
jenseits der parteipolitischen Abhängigkeit ist folglich die Aussensteuerung der 
Berichterstattung extrem hoch. 
Im «privaten» Rundfunk führen andere Zwänge tendenziell zum gleichen Ergebnis. 
Angesichts der finanziellen Unterstützung durch den Staat (Medienförderbeiträge, 
Leistungsvereinbarungen) besteht bei Radio L eine ausgeprägte Neigung, das 
Wohlwollen der politischen Parteien und des Landtags (bzw. der Landtagsmehrheit) 
möglichst wenig zu strapazieren. Bevor man in die Gefahr gerät, sich die «Finger zu 
verbrennen», entscheidet man sich lieber für Nicht-Berichterstattung. Oder man geht 
auf «Nummer sicher», und das heisst auch hier: Man lässt die Betroffenen für sich 
selbst sprechen — in Originaltônen oder Diskussionsrunden. 
These 2: Der Verlautbarungsjournalismus führt zu Binnenpluralitát durch die 
«Hintertür». 
Die von den Medien gepflegte Kultur des «Meinen-Lassens» und der Ereignisfixierung 
hat einen nicht intendierten Nebeneffekt: eine gewisse Binnenpluralitát der 
Berichterstattung in den Nischen der Leserbriefspalten und Forumsseiten, also 
gleichsam durch die «Hintertür». Wenn man sich etwa anschaut, wer in den Zeitungen 
im einzelnen zu Wort kommt, dann sieht man im unteren Teil der Tabelle 1, dass den 
Bürgern als  Aussageproduzenten (vor allem als  Leserbriefschreiber) ein 
unverháltnismássig grosses Gewicht zukommt, wáhrend der Journalismus selbst eine 
vergleichsweise schwache Stimme hat.* 
  
  
    
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
«Volksblatt» «Vaterland» Gesamt 
Regierung und Verwaltung 11,3 10,8 11,1 
Landesfürst / Erbprinz 5,6 7.7 6,7 
FBP (Partei und Fraktion) 12,0 6,4 9,2 
VU (Partei und Fraktion) 6,4 10,1 8,3 
FL (Partei und Fraktion) 3,8 5,2 4,6 
Sonst. politische Sprecher 8,5 10,3 9,4 
Vertreter der Wirtschaft 2,2 2,1 2,1 
ig Vereine, Gruppen, 8,7 11,0 9,9 
Experten 5,4 7,1. 6,6 
Joumalisten 7,8 5,8 6,8 
Einzelbürger 27,5 20,8 24,1 
Sonstige 0,7 1,9 1,3 
Summe 1097 1163 2260 
  
  
  
  
  
Tabelle 1: Urheber von politischen Áusserungen in Liechtensteiner Landeszeitungen in % (N = 2260). 
8 ; ; 
P dis Studien aus Deutschland (vgl. Gerhards u.a. 2000; Wessler 1999, Marcinkowski 2001) ermitteln, 
ass je nach Thema und Medium 20% bis 40% der problembezogenen Aussagen auf Journalisten zurückgehen. 
  
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