Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/66/
Diese subjektive Landschaftsbeschreibung ist der Versuch, im Zeit - raf fer eine landschaftliche Auslegeordnung für das Alpenrheintal zu skiz zieren. Die natürlichen Rahmenbedingungen, die Urbarmachung, die frühere Bewirtschaftung, die Bebauung von Landschaft, sie alle sind verantwortlich für das heutige Bild und das Gepräge des 
Alpenrheintals. Und welche Landschaft für morgen? Unser Landschaftsbild ist das Resultat von Arbeit, sowohl der Agrar- wie der Industriegesellschaft. Wir stehen heute im Übergang von der Indus triegesellschaft zu etwas Neuem. In dieser Transformationgesell - schaft, die wir auch Dienstleistungsgesellschaft nennen können, löst sich die Wertschöpfung stark vom konkreten Ort. Arbeit erfolgt immer mehr als geistige Dienstleistung, der unmittelbare Bezug zu Raum und Zeit löst sich tendenziell auf. Dadurch fallen weite Teile der Landschaft aus der Nutzung. Allein in Liechtenstein hat sich die Waldfläche im 20. Jahr - hun dert verdoppelt. Diese sich verwaldenden Flächen werden als Ob - jekte bisheriger Arbeit nicht mehr gebraucht. Es gibt zwar weiterhin eine wachsende Beanspruchung von Boden. Dieser wird aber fast aus- schliesslich für den Bau von Strassen, Häusern und Freizeitanlagen be- nötigt. In den vielen neuen Industriehallen fällt zudem auf, dass pro Flächeneinheit sehr wenig Leute arbeiten. Immer noch steigt also der Landschaftsverbrauch, die Aneignung von Natur im peripheren Umfeld fällt aber zunehmend weg. Damit findet ein Ausdifferenzierungsprozess im Raum statt, grob gibt es Intensität und periphe Extensität, Schmutz neben etwas 
Schutz. Weiterhin den Denkmustern der Agrargesellschaft verhaftet Wir selbst geraten zwischen die tradierten Bilder der Kulturlandschaft, wobei wir noch weitgehend den Denkmustern der Agrargesellschaft ver haftet sind. Das sind aber heute Trugbilder, weil nur mehr Rest pro - zente der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt sind. Sie sind dennoch tief in uns verankert, wir halten an den vertrauten Mythen von Wilhelm Tell bis zum Heidi mit dem Geissenpeter fest, trennen säuber- lich Stadt und Land, wehren uns gegen die Veränderungsprozesse und 66Mario 
F. Broggi
        

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