Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/288/
von Notiz. Auch nicht im Alpenrheintal. Der gleiche Bericht misst die- sem Tal die Leitvorstellung einer 
«polyzentrischen urbanen Landschaft» zu (vgl. Beitrag 
Daniel Wachter). Das Alpenrheintal wird also als urban bzw. städtisch bezeichnet. Es gibt sicher Gebiete, in denen der Begriff «Stadt» falsche Assoziationen auslöst. Wir ahnen aber, dass das Etikett «Land» auch nicht mehr so recht passen will. Es lohnt sich, diese Aus - sage noch zu vertiefen. Nachfolgend werden einige wichtige Analysen und Folgerungen aus den Beiträgen dieses Buches zusammengefasst und 
interpretiert. A. Einige wichtige Aussagen zur Analyse Eine Urbanität ohne klare Zentren Das Rheintal scheint zu einer Siedlung zusammenzuwachsen, ohne dass dieser Prozess gesteuert würde und ohne dass überhaupt ein Be wusstsein für diesen Vorgang vorhanden wäre. (Bilger 2004) Der Vorarlberger ETH-Professor Dietmar Eberle meinte jüngst, auf die bauliche Entwicklung in seiner Heimat angesprochen, «Vorarlberg ist objektiv hässlicher geworden» (Vorarlberger Nachrichten vom 29./ 30. April 2006). Es sind damit die nicht enden wollenden Abfolgen von Siedlungen – wilde Ansammlungen von Gebäuden ohne Identität – In - dus trieparks, Entsorgungsanlagen, Verkehrsinfrastruktur, Shopping - zent ren, Freizeiteinrichtungen – und dazwischen immer wieder schöne Landschaftsteile angesprochen. Sie bilden letztlich eine Mischung städti- scher, vorstädtischer und ländlicher Elemente, die mit den traditionellen Kategorien «Stadt» und «Land» die räumliche, soziale und wirtschaftli- che Wirklichkeit kaum mehr abbilden. Wo befindet sich das Zentrum, wo die Peripherie, wo der Rand der Stadt, wo das Land? Die Zuordnung der Begriffe «Stadt» und «Land» gehört zu den Mythen unserer Gesell schaft. Sagen wir es hart und deutlich: Unsere Orte sind kein Arkadien mehr als Kontrast zu dichten städtischen Zentren der Metropolen. Unsere «Bauerndörfer» wurden in einen ökonomischen, sozialen und siedlungs- ästhetischen Schwebezustand amorpher Identitäten katapultiert (Eisin - ger 2005). Oder noch einfacher ausgedrückt: Wir wurden ein Volk von «Agglomeriten», die häufig noch glauben, auf dem Land zu wohnen. Ja 288Mario 
F. Broggi
        

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