Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/263/
Wiederum hält der neoliberale Kapitalismus dafür eine Beschöni - gung parat, nämlich mit dem Begriff «Marktversagen». Damit wird ja unterstellt, dass das (theoretische) Konzept schon funktionieren würde, wenn bloss das rückständige, gar widerborstige Alltagsleben endlich markttauglich würde. Also frei nach Brecht: «Es kann nicht sein, was nicht sein darf!» Die ökonomische Argumentation entlarvt sich damit als ein primär normatives Konzept, welches weit entfernt ist von einer plausiblen Erklärung der realen Austauschprozesse.33 Angeblich wird nun diesem Misstand «Marktversagen» auf den Leib gerückt, zum Beispiel durch wettbewerbsrechtliche Einschrän kun - gen der Monopole und Kartelle.34Aber auch hier zeigt die Erfahrung der letzten Jahrzehnte, dass eigentlich die gegenteiligen Prozesse ablaufen. Die 
«global players» (wie zum Beispiel Microsoft oder Halliburton) ten- dieren keineswegs zu vollkommener Konkurrenz, sondern versuchen im Gegenteil, marktbeherrschende Positionen zu erringen, so dass quasi- natürliche Monopole entstehen. Dieses Erfolgsrezept wird inzwischen von den wirklich erfolgreichen Unternehmen geradezu virtuos ange- wendet. Ähnlich steht es mit dem Postulat der Transparenz: Informa - tions pflicht und Offenlegungsvorschriften (zum Beispiel betreffend Grund stücks-«Märkte» oder im Lebensmittel-Sektor) werden von den Wirt schaftsverbänden als ungebührliche, ja schädliche staatliche Einmi - schung denunziert und nach Möglichkeit verhindert, oder dann igno- riert. Auf diese Weise können normale alltagsweltliche Asymmetrien massiv verstärkt werden, was die eingangs erwähnte globale Spaltung weiter vorantreibt. Als Fazit aus diesen Überlegungen zur ökonomischen Funk tio - nalität, zu Externalitäten und Marktversagen resultiert die Erkenntnis, 263 
Globalisierung versus Regionalisierung aus «normale» Ausgangslage wird aber von der mainstream-Ökonomik nicht be- rücksichtigt. Die Evolutionsökonomie, welche sich diesen Fragen kritisch widmet, wird aus der sog. mainstream-Ökonomik systematisch eliminiert. Vgl. dazu etwa K. Dopfer: Evolutionary economics. Boston 2001, sowie die Literatur zu «Real Life Economics», zum Beispiel P. Ekins (1992). 33Es ist dies der Kernpunkt des Paradigmenwechsels durch die «Neue Ökonomie» – der Wandel von einer (neutralen) wissenschaftlichen Disziplin mit explikativem Anspruch, hin zu einer dogmatischen Bewegung mit erheblicher normativer Kraft. Vgl. dazu M. Boesch: Die Neue Ökonomie – das Ende der Urbanität? Basel 1999. 34Dies wiederum kann wohl nur durch (meta-)staatliche Regulation erreicht werden. Dieser innere Widerspruch des neoliberalen Dogmas erklärt die ergebnislose Debatte der letzten Jahrzehnte.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.