Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/259/
The Global Divide – eine Welt der zwei Geschwindigkeiten Die Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahrzehnte hat entgegen den Er - war tungen (und Versprechungen) nicht nur Gewinner sondern auch Ver lie rer generiert. Dies gilt nicht nur für Personen und Personen grup - pen9, sondern vor allem auch für Regionen, Länder, ja ganze Erdteile. Die UNDP-Statistiken10belegen dies auf eindrückliche Weise; es ist die Rede von einer «globalen Spaltung», von einer Entwicklung mit «zwei Geschwindigkeiten».11Auf den ersten Blick scheint es, dass diese Situa - tion vor allem auf die mangelnde Verfügbarkeit neuer Technologien (be- sonders im Informations- und Kommunikationssektor) zurückgeführt werden muss. Demzufolge wird ein massives Technologie-Transfer pro - gramm als Lösungsansatz vorgeschlagen.12 Die Ursachen liegen aber tiefer, bzw. die Argumentation muss et- was weiter ausholen, nämlich wie folgt: Wenn Globalisierungsideologen von einer 
win-win-Konstellation durch globale Arbeitsteilung sprechen, belegen sie dies mit dem altbekannten Argument von den «komparati- ven Vorteilen». Das sog. Ricardo-Modell13besagt, dass globale Arbeits - tei lung für beide Transaktionspartner vorteilhaft sei, weil dann Kapital und Arbeit14insgesamt produktiver eingesetzt würden. Was nicht gesagt wird – ob mit Absicht oder aus mangelnder Sachkenntnis – ist die Tat - sache, dass unter den Rahmenbedingungen erhöhter (bis vollständiger) Fak tor mobilität das Ricardo-Modell nicht mehr anwendbar ist.15 Faktormobilität heisst, dass die Produktionsfaktoren Kapital und Ar beit16nicht standortgebunden17sind, sondern dem Gefälle von Pro - duk tivi täts- und Renditegewinnen folgen. Die «Neue Wachstumstheo - 259 
Globalisierung versus Regionalisierung 9Vgl. etwa die Situation der «Working poor» in Wohlstandsländern wie der Schweiz. 10United Nations Development Programme 11Vgl. dazu J. Stiglitz: Die Schatten der Globalisierung. München 2002. 12Vgl. J. Sachs: A New Map of the World. In: The Economist 6/2000. 13Entwickelt von D. Ricardo 1817 (The Principles of Political Economy and Taxa tion). Vgl. dazu Krugman/Obstfeld: International Economics 2006. 14Sowie der Boden im Falle landwirtschaftlicher Produktion. 15Diese Unterlassung ist in Fachkreisen als das «kleine schmutzige Geheimnis» der Regionalökonomen bekannt. 16Die Mobilität des Faktors «Arbeit» erfolgt entweder durch Migration der Arbeits - kräfte oder der Beschäftigung bzw. der Arbeitsplätze. 17Wie dies Ricardo unterstellte – für die damalige Situation zu Beginn des 19. Jahr - hun derts und mit dem Fokus auf die landwirtschaftliche Produktion durchaus zu- treffend.
        

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