Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/175/
im Schmiede- und Wagnerhandwerk oder in der Pferdezucht und im Transportwesen. In direktem Zusammenhang mit dem Verkehrswesen standen nicht zuletzt die hochmittelalterlichen Städtegründungen (zum Bei spiel Feldkirch, Bludenz, Sargans). Sie entstanden an wichtigen Rou - ten des Fernverkehrs und können somit als frühe Beispiele einer nicht mehr primär durch natürliche Gegebenheiten, sondern wesentlich durch Verkehrsverbindungen präjudizierten Raumnutzung gesehen werden. Umgekehrt zogen diese Städte Verkehr auf sich, indem sie als wichtige Marktorte den regionalen Güteraustausch belebten. Verkehrswege präjudizieren die Raumnutzung Handelte es sich bis dahin selbst bei wichtigen Handelsstrassen um be- scheidene, bei schlechtem Wetter kaum passierbare Erdwege, setzte ab Ende des 18. Jahrhunderts eine «Strassenbauwelle» ein. Ausgelöst wur- de sie durch die zunehmend auf den Handel ausgerichtete merkantilisti- sche Wirtschaftsordnung, die eine staatliche Förderung der Wirtschaft und die Erleichterung des Binnenhandels durch Verbesserung der Ver - keh rssysteme verlangte. Eine Vorreiterrolle übte dabei Frankreich aus, wo es den absolutistischen Königen im 18. Jahrhundert möglich war, un- ter zentraler Lenkung einen staatlichen Strassenbau aufzuziehen, der nicht auf die Interessen lokaler Herrschaftsträger Rücksicht nehmen musste. Vor diesem Hintergrund kam es zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch im jungen Kanton St.Gallen zu einem Paradigmenwechsel: Waren bis in die letzten Jahre der alten Eidgenossenschaft – mit ganz wenigen Aus nahmen – die Gemeinden für Bau und Unterhalt der Strassen auf ihrem Gebiet zuständig, wurden 1803 die Aufsicht darüber und 1831 auch alle bisherigen Strassenpflichten der Gemeinden für die «Haupt- und Handelsstrassen» an den Kanton übertragen. Zwar war der Kanton unter Berufung auf die alten Pflichten der Gemeinden vorerst noch be- strebt, die Kosten von der Staatskasse fernzuhalten, bei der Linienwahl versuchte die Regierung jedoch ihre Vorstellungen mit Nachdruck durch zusetzen. Priorität hatte – wie das Beispiel der in den Jahren 1821 bis 1827 erstellten Kantonsstrasse Rheineck–Ragaz zeigt – eine mög- lichst gerade Linienführung, hier vor allem mit dem Ziel, eine für den Kanton hinsichtlich des Transitverkehrs vorteilhafte Konkurrenz gegen- über der «deutschen Strasse» jenseits des Rheins (Bregenz–Feldkirch– 175 
Die Wechselwirkungen zwischen Besiedlung, Verkehr und Raumnutzung
        

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