Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/145/
Auf der einen Seite empfinden sich die Bewohner immer noch als ländlich. Ich glaube, dass gilt ganz ausgeprägt für die Rheintalstadt, für Vor arlberg. Obwohl sie längst als Angestellte arbeiten und in den Shoppingcentern einkaufen: Wenn man Sie fragt, ob sie in der Stadt oder am Land leben, dann sagt – das hat auch die Identitätsstudie gezeigt – wahrscheinlich immer noch die Mehrheit: «Wir leben auf dem Land». Andererseits, wenn man sich die Lebensmerkmale anschaut, ist das na- türlich längst Stadt. Der Anteil der Bauern, habe ich gehört, liegt hier in der Gegend bei einem Prozent der Beschäftigten; obwohl die Landschaft noch von der Landwirtschaft als Erscheinungsbild geprägt ist, spielen die Bauern ökonomisch und gesellschaftlich eigentlich kaum noch eine Rolle. Es besteht immer noch eine starke Loyalität der Rheintalstädter, der Vorarlberger, zu ihrer eigentlichen Heimatgemeinde, obwohl die Hei matgemeinde als Lebensraum längst überschritten worden ist und fast täglich die ganze Stadt, wie ich sie jetzt nenne, zwischen Bregenz und Feldkirch benutzt wird. Ich glaube, eine der ganz wichtigen Fragen ist, ob sich die Vor arl - berger dazu durchringen können zu sagen: «Ja, wir wohnen in einer Stadt». Denn ich glaube, eine solche Entscheidung müsste gefällt wer- den, um eine Weiterentwicklung dieses Stadttyps in Zukunft auf eine breite Zustimmung der Bevölkerung stellen zu können. Denn solange die Bewohner des Rheintals sich immer noch vermeintlich in einer länd- lich-dörflichen Struktur bewegen, kann der nächste Schritt der Quali fi - zie rung – der nötig ist – politisch nur sehr schwer erreicht werden. Das ist die ganz grosse, schwierige Frage. Was man jetzt schon beobachten kann ist – und das ist ja historisch ein besonders interessantes Merkmal dieser Vorarlbergstadt, dieser Rhein stadt – dass es kein eindeutiges Zentrum gibt. Dass es auch keine eindeutige Hauptstadt in dieser Stadtagglomeration gibt, sondern dass sich die wichtigen Funktionen auf drei Städte aufteilen: Bregenz, Dorn - birn und Feldkirch. Das ist etwas, was in anderen Regionen angestrebt wird, um über eine Dezentralisierung der zentralen Funktionen eine gleichgewichtigere Entwicklung der Städte zu erreichen. Das ist eben hier von der Geschichte in den Schoss gelegt worden. Meiner Meinung nach eine grosse Qualität, ein grosses Pfund, mit dem es zu wuchern gilt. Ich meine, nachdem ich mir die Karten und die Landschaft ange- schaut habe, eigentlich ist diese Rheintalstadt eine einzige grosse Gartenstadt. Das ist auch eine grosse Qualität. Das was immer so beklagt 145 
Zwischenstadt – zwischen Stadt und Land
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.