Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/144/
ganz gewaltig verändert. Den Siedlungstyp, der dabei entstanden ist, kennen wir – Vorarlberg ist prototypisch ein solcher Siedlungsfall. Be - ste hend aus grossen Einfamilienhäusern, in denen sich dieser Flächenzu - wachs zeigt. Dazu folgendes Beispiel: Hongkong mit zehn oder zwölf Mil lionen Einwohnern ist auf einem Viertel der Fläche von Berlin ge- baut. Die Wohnfläche pro Person beträgt in Hongkong etwa ein Fünftel bis ein Zehntel von der durchschnittlichen Wohnfläche hier. Nur um an- zudeuten, wie es möglich ist, dass dieselbe Menge Menschen heute drei- mal soviel Siedlungsfläche braucht wie vor 50 Jahren. Vorarlberg ist, ab- gesehen von den alten Ortskernen wie Bregenz oder Feldkirch, in dieser Zeit im Wesentlichen in die Breite gewachsen. Und dieser Siedlungstyp, der ursprünglich zu erklären war als überlaufende Städte, immer noch abhängig als Vorort von den Mutterstädten, dieser Typ macht sich zu- nehmend selbstständig. Die Arbeitsplätze sind nachgezogen, die Ein - kaufs zentren sind nachgezogen. Es gibt viele Bewohner – auch in den Agglo merationen mit klassischen grossen alten Städten in der Mitte –, die kaum noch in die alten Städte gehen, weil sie längst neue Wohnfelder und Lebensfelder in den Vororten gefunden haben. Und das ist dieser Ty pus, in dem heute in Deutschland, je nachdem, wie man ihn abgrenzt, mehr als die Hälfte der Bevölkerung wohnt und arbeitet. Das Interessante an dieser Struktur ist nun, dass man sie eigentlich schlecht charakterisieren kann. Das zeigt sich schon daran, dass es für diese Strukturen keinen allgemein gültigen Begriff gibt. Vorort stimmt nicht mehr, weil es kein Vorort mehr ist. Die Amerikaner nennen es Post suburbia, aber das ist auch ein grosser Kunstname. Ich habe es «Zwi schenstadt» genannt, weil es zwischen Stadt und Land liegt und in der Wirtschaft zwischen dem globalisierten Wirtschaftsgeschehen und der örtlichen lokalen Wirtschaft. Und phänomenologisch auch zwischen dem, was Christa Kamleithner als traditionelle Stadt bezeichnet hat, und dem, was wir hier beobachten können. Aber auch Zwischenstadt ist ein Kunstbegriff. Und in diesem Kunstbegriff zeigt sich, glaube ich, auch schon das Dilemma, vor dem die Rheintalstadt steht. Mich hat Herr Lutz vom Bahnhof abgeholt und wir haben uns über das Rheintal unterhalten. Ich habe versucht, mir ein Bild zu machen, und dieses Bild ist in bestimmter Hinsicht ein besonderes, worauf ich noch näher eingehen werde. Es zeigt in vieler Hinsicht die Strukturmerkmale, die die europäische Stadt in den letzten 50 Jahren angenommen hat. 144Thomas Sieverts
        

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